„Wo sind die ganzen Chinesen?“ Deutscher YouTuber wundert sich in Peking

China ist seit einigen Monaten wieder für Touristen geöffnet. Ein YouTuber besuchte Peking und stellte fest, dass es in den sonst so übervollen Straßen ziemlich leer aussieht. Ist irgendetwas während der Pandemie passiert, fragt er sich und filmt.
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Kaum Fußgänger auf einer Brücke in Pudong, Shanghai, Februar 2023.Foto: Hector RETAMAL/AFP via Getty Images
Von 12. Juni 2023

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Seit dem 15. März vergibt China wieder „Visa aller Kategorien“, schreibt das Auswärtige Amt in Berlin. Flugreisende benötigen nur noch einen selbst durchgeführten negativen Corona-Test vor dem Abflug für die Einreise. Immer noch herrscht Maskenpflicht in zahlreichen Gebäuden und im öffentlichen Verkehr, heißt es. Als ein YouTuber Peking besuchte, empfindet er es als ganz merkwürdig, dass dort so wenig los ist.

„Die Straßen sind wie ausgestorben“

„China ist nach der Pandemie deutlich leerer geworden. Die Straßen sind wie ausgestorben. Man hat das Gefühl, dass ca. 70 Prozent der Bürger verschwunden sind. […] Doch wo sind die ganzen Chinesen, die noch vor einigen Jahren diese Straßen hier bevölkerten“, fragte sich der YouTuber vom Kanal „Norman Investigativ“ am Anfang seines Videos auf den Straßen von Peking im Mai.

„Ist in China während der Pandemie mehr passiert als die offiziellen Stellen zugeben?“ Vor einigen Jahren habe man sich in diesen Straßen Pekings noch wie auf dem Oktoberfest gefühlt. „Doch davon ist heute weit und breit nichts mehr zu sehen.“

Der YouTuber verlässt die Innenstadt Pekings mit seinen angeblich über 21 Millionen Einwohnern und fährt in die Randgebiete. „Doch je weiter wir rausfahren, umso leerer werden die Straßen.“ In einem dieser Glaspaläste hofft er auf die Chinesen zu treffen, doch er findet kaum Leute. „Die Läden haben zwar auf. Aber dort ist kein einziger Kunde zu sehen.“ Dafür ist ein Roboter anzutreffen, der die Anlage zu überwachen scheint. „Man fühlt sich wie in einem Sci-Fi-Film, wie der letzte Mensch auf Erden.“ In einem anderen Gebäude filmt der YouTuber kleine Roboter, die, wie man ihm gesagt habe, mit ChatGPT vernetzt seien. Auch auf der Straße patrouilliert eine fahrende Polizeidrohne. Hier und da laufen ein paar Leute auf der dennoch gähnend leeren Einkaufspassage umher. Ebenso leer, ein Themenpark mit Fahrgeschäften. Ein Kinderkarussell fährt einsam vor sich hin im Kreis.

Rückblick: Lockdowns, Proteste und ein Corona-Tsunami

Ende November 2022 ereignete sich ein schreckliches Drama in der Uiguren-Hauptstadt Ürümqi in Nordwestchina. In einem seit über 100 Tagen unter Lockdown stehendem Hochhaus mit offenbar verriegelten Türen brach ein Feuer aus. Mehrere Menschen, darunter Kinder, starben, weil sie das brennende Gebäude nicht verlassen konnten. Auch die Feuerwehr konnte wegen der errichteten Zufahrtsblockaden ihre Löscharbeiten erst mit deutlicher Verspätung beginnen. Infolge des Vorfalls kam es zunächst in Ürümqi zu Protesten. Diese weiteten sich auf das ganze Land unter dem Begriff „White Paper“-Proteste aus und richteten sich gegen die Gesellschaft und Wirtschaft zerstörenden Corona-Lockdowns.

Xi Jinping nahm die Proteste zum Anlass, die längst überfälligen Öffnungen übereilt durchzuführen. Die wirklichen Gründe liegen jedoch Expertenansichten zufolge darin, dass zahlreiche Lokalregierungen in China aufgrund der Lockdownfolgen und -kosten vor dem Bankrott standen. Doch die Menschen traten nach den jahrelangen Lockdowns dem Virus mit geschwächtem Immunsystem gegenüber. Die in der westlichen Welt als relativ harmlos betrachtete Omikron-Variante des Coronavirus schlug mit unerwarteter Härte zu. Im Dezember mehrten sich die Berichte von Hunderten Millionen von Infizierten und einer Sterbewelle.

Das Rätsel der großen Todeswelle

Dass offizielle Zahlen aus China immer mit Skepsis zu betrachten sind, ist allgemein bekannt. Am 21. Dezember gab es jedoch ein Datenleck in Chinas Nationaler Gesundheitskommission. Unterlagen eines hochrangigen Treffens der Gesundheitsbeamten berichteten von 248 Millionen Infizierten in den ersten 20 Dezembertagen.

Nach dem Leak stellte die oberste Gesundheitsbehörde des Landes die Veröffentlichung offizieller Tageszahlen vorerst ein. Mitte Januar veröffentlichte das Regime aufgrund internationalen Drucks eine Zahl: 60.000 Corona-Tote vom 8. Dezember bis zum 12. Januar. „Jeder weiß, dass Peking lügt“, meinte Feng Chongyi, ein China-Experte und Professor an der University of Technology Sydney, Australien, gegenüber der Epoch Times am 14. Januar 2023 und schätzte auf eine bis zu 30-mal höhere Zahl an Toten.

Man beobachtete per Satellit lange Schlangen vor den Krematorien und sprach mit den bis zur Erschöpfung arbeitenden Krematoriumsmitarbeitern in den großen Städten. Särge waren ständig ausverkauft. Doch noch rätselhafter und schwerer abzuschätzen war wohl die Situation auf dem Land. Die Welt zerbrach sich den Kopf über die tatsächlichen Todeszahlen in China.

Wo sind all die Menschen hin?

Eine Zahl aus Shanghai geriet erneut in die öffentliche Diskussion. Im Sommer 2022 hatte ein chinesischer Hacker eine Datenbank des Shanghai Public Security Bureau (Polizei) geknackt und die Daten von rund einer Milliarde Chinesen zum Verkauf angeboten, inklusive Polizeidaten. Eine Analyse des Falls durch die chinesischsprachige Epoch Times kam zu dem Fazit: „Das heißt, die nationale Bevölkerung laut der Polizei beträgt etwa 1 Milliarde.“ Nach offiziellen chinesischen Angaben soll es jedoch über 1,4 Milliarden Menschen in dem KP-Staat geben. Die Frage wurde gestellt: „Wohin sind diese 400 Millionen Menschen gegangen?“ Der Autor vermutete, dass nur ein „großflächiger epidemischer Tod eine vernünftige Erklärung“ sei.

Am 15. Januar erklärte der in den USA im Exil lebende Falun-Gong-Begründer, Herr Li Hongzhi, in einem seiner äußerst seltenen Statements, dass die kommunistische Partei in China die wirkliche Lage in der Epidemie seit mehr als drei Jahren vertuscht. Seinen Angaben nach seien in China in dieser Zeit 400 Millionen Menschen am Virus gestorben.

Nachdem der ehemalige Hongkong-Unternehmer Elmer Yuen wegen seiner Unterstützung für die Hongkonger Demokratiebewegung ins US-Exil fliehen musste, sprach er in einem Interview auf „Mr. Wu in Europe“, dem YouTube-Kanal eines China-Beraters in Deutschland, über seine Einschätzung dieser gewaltigen Zahl: „Es gibt aktuell drei Informationsquellen für die Zahlen der Pandemie. Eine davon ist die der Kommunistischen Partei Chinas, die generell keine wahren Zahlen herausgibt. […] Eine andere Quelle sind die Zahlen von Forschungsinstituten, wie zum Beispiel aus England. Allerdings stehen ihnen nur begrenzte Informationen zur Verfügung.“

Yuen sagte, dass niemand bessere Informationsquellen habe als Herr Li und verweist auf die zu Beginn der Verfolgung 1999 geschätzten bis zu 100 Millionen Falun-Gong-Praktizierenden in China. „Ich schätze, dass das auch jetzt noch so ist. […] Und Sie müssen wissen, jeder dieser Falun-Gong-Praktizierenden hat sehr großen Respekt vor Herrn Li. Sie haben auch keine Angst, Herrn Li wahre Informationen zu übermitteln. Das ist ein großer Qualitätsunterschied, was die Informationsquellen anbelangt.“

Yuen erklärte: „Mir steht es nicht zu, darüber zu urteilen, ob die Zahl richtig oder falsch ist. Ich selbst habe doch vielleicht nur Kontakt zu 1.000 Menschen in China. Was sind 1.000 Kontakte gegenüber 100 Millionen? Also niemand kann sich, was die Kontakte nach China angeht, mit Herrn Li vergleichen.“

Der ehemalige Hongkonger Industrielle hatte auch noch gemeint: Es gebe Falun-Gong-Praktizierende in allen Gesellschaftsschichten und in allen Regionen Chinas, so der Unternehmer. Es könne daher gut sein, dass er die Information von jemandem aus dem Gesundheitsministerium habe oder von der Polizei oder dem Politbüro, erklärte Elmer Yuen.

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