„Todesursache: Unfehlbarkeit!“ Die Autoren Bettina und Philipp Tropf schreiben über die Unmöglichkeit der Reformierung der Kirche. Im Hintergrund der Petersdom zu einer Heiligen Messe 2015 im Vatikan.Foto: Epoch Times/ALBERTO PIZZOLI / AFP / Getty Images

Kann sich die Kirche ändern? Nein, sagen zwei Insider

Von 7. September 2020
Während zunehmend über eine Re-Christianisierung Deutschlands debattiert wird, machen die Insider Bettina und Philipp Tropf drauf aufmerksam, dass die Kirche nicht änderbar ist. Der Grund: Die Kirche gesteht sich nicht zu, dass sie sich ändern kann. Und: "Weil der historische Jesus für all diejenigen gefährlich ist, die religiöse Machtansprüche erheben".

Bei den brennenden Fragen der Zeit sei durch die Kirchenoberhäupter keine Neubewertung zu erwarten, darin sind sich die Autoren Bettina und Philipp Tropf in ihrem Buch „Todesursache: Unfehlbarkeit!“ einig. Versucht wurde es. Allerdings scheiterten im Jahr 2019 sowohl der „Missbrauchsgipfel“ von Papst Franziskus im Februar als auch die „Amazonas-Synode“ im Oktober.

Auf 160 Seiten kommen Interna aus dem kirchlichen Milieu zur Sprache, jedoch will das Buch nicht mit der Kirche abrechnen. Es will Klarheit und Stärke bringen, um eigene Erfahrungen des Lesers zu heilen, ihn zu stärken und zu befreien. Es will eine Hilfe sein für „Menschen, die an ihrer Kirche verzweifeln, aber gar nicht wissen, warum.“ Und für die, „die ihren Glauben von der Institution zu trennen versuchen, denen dieser Sprung aber noch nicht recht gelingen will“.

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Die katholische Kirche habe vor allem am Anfang systematisch und strategisch die Botschaft Jesu an ihre eigenen Bedürfnisse angepasst, schreibt Philipp Tropf. Denn ihre „theologisch verbrämte Politik diente ihren Machtansprüchen von jeher mehr als eine Theologie aus dem Glauben an das unverkürzte Evangelium“.

Ein spannendes Buch. Es zeigt, wie die Macht der Kirche auf zwei tragenden Säulen beruht – einer weltlichen und einer geistigen. Beide entstanden durch Betrug und Fälschungen. Die weltliche Säule ist die Fälschung der „Konstantinischen Schenkung“, was zu einem gigantischen Kirchenstaat führte, der halb Europa umfasste.

Die geistige Fälschung führt zu Matthaeus (16,18), darin steht: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche erbauen.“ Petrus war von Beruf Fischer und ein Jünger des Jesus von Nazareth. Das führt die Autoren zu der Frage: „Warum – so könnte, ja, so müsste sich der aufgeklärte Christ doch fragen – will die römisch-katholische Kirche nicht auf Jesus Christus als den wahren Felsen aufgebaut sein, sondern ausgerechnet auf Petrus, den Wankelmütigen, der doch Jesus dreimal verraten hat?“

Und weiter: „Warum nennt die römisch.katholische Kirche ihren wichtigsten Sakralbau nicht ‚Christuskirche‘, sondern ‚Peterskirche‘? Warum steht dieser nicht auf einem ‚Christusplatz‘, sondern auf dem ‚Petersplatz‘? Warum gibt es wohl einen ‚Stuhl Petri‘, nicht aber einen ‚Stuhl Christi‘ in Rom? Alles dort dreht sich um einen gewissen ‚Petrus‘, der doch in Wirklichkeit Simon hieß. Warum setzt die Kirche diese Irreführung der Menschheit ungeniert fort?“

Eine Antwort ist: „Weil der historische Jesus für all diejenigen gefährlich ist, die religiöse Machtansprüche erheben“. Und der „echte Christus mit seiner Heilsbotschaft für die Rom-Kirche unnütz“ sei.

Wie kann es weitergehen?

Der Kirche gehe es nicht vor allem um Nächstenliebe, sondern um die damit verbundene Macht. Der „christliche Glaube ist ein demütiger, einer der Kompromisse verlange, einer der Frieden will. Das will auch sagen: Beharre nicht immer auf deinem Standpunkt! Du hast die Wahrheit nicht für dich gepachtet, sondern der andere kann auch ein wenig Recht haben“.

Für die derzeitige Zeitenwende sehen sie mehrere Möglichkeiten. Klar sei, dass die römisch-katholische Kirche ein Auslaufmodell geworden ist – schon allein aufgrund der jetzigen Völkerwanderung.

Zum anderen „wäre es ein gefährlicher Irrtum, unsere heutige Demokratie zum reinen, fest in sich ruhenden Ideal zu erheben, Frieden und Freiheit als selbstverständlich und dauernd gesichert zu betrachten.“ Panta rhei – alles fließt – und „überzeitliche und gesamtgesellschaftliche Verantwortung kann weder von einzelnen Personen getragen, noch von einer Generation allein beansprucht werden. Demzufolge macht es Sinn, eine überzeitliche und allgegenwärtige letzte Instanz vorzuschalten, der gegenüber der Einzelne verantwortlich ist und sich rechtfertigen muss.“

Die eigentliche Krise der Kirche kommt erst noch

Die eigentliche Krise stehe der Kirche erst noch bevor, schreiben die Autoren. Man möge sich dabei keinem theologischen Größenwahn hingeben. Nötig sei, sich von Hindernissen zu befreien, von starren Haltungen und dogmatischer Intoleranz. Mit seinem Gewissen solle man jeden Tag die eigenen Entscheidungen überprüfen, sie korrigieren und an sich arbeiten.

  • Zu den Autoren

Dr. theol. Philipp Tropf wurde 1977 im unterfränkischen Alzenau geboren. Nach dem Besuch einer Schauspielschule studierte er von 2002 bis 2007 Theologie, Philosophie und Psychologie in Heiligenkreuz bei Wien und in Salzburg. Tropf wurde 2009 im Fach Kirchengeschichte promoviert. 2010 gründete er in Aschaffenburg die Beratungsgesellschaft Venerabilis, mit der er in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig war. 2016 empfing er in Würzburg die Priesterweihe. Anschließend wirkte er als Kaplan in der Rhön und im Spessart. Ende 2017 wurde Philipp Tropf durch die Amtskirche vom priesterlichen Dienst suspendiert, nachdem er sich offen zu seiner Frau Bettina bekannt hatte. Seit März 2019 ist er mit dem „Segen“ des Papstes „laisiert“.

Bettina wurde in Würzburg geboren und lebte in Wombach im Spessart. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Als ausgebildete Industriekauffrau ist sie seit 30 Jahren bei einem internationalen Konzern als Assistentin von Führungskräften tätig. Bettina und Philipp Tropf wohnen bei Aschaffenburg und führen heute das Unternehmen Bephitro gemeinsam. Seit Oktober 2019 sind sie verheiratet.

  • Taschenbuch: 160 Seiten, 14,99 Euro, erhältlich im Shop der Epoch Times
  • Verlag: Bephitro Verlag; Auflage: Erstausgabe (30. März 2020)
  • Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3982183251 – ISBN-13: 978-3-9821832-5-1

 



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