Mont-Saint-Michel: Dem Engel geweiht, der Satan im Himmel besiegte

Umgeben von Meer mit all sein Gefahren thront erhaben der Mont-Saint-Michel – faszinierende Heimat eines der anspruchsvollsten Bauprojekte des Mittelalters. Seit Jahrtausenden wird dieser und seine Bewohner von dem Anführer der himmlischen Heerscharen beschützt.
Titelbild
In der Normandie, an der Grenze zur Bretagne und damit dreieinhalb Stunden von Paris entfernt, liegt im atlantischen Wattenmeer Mont-Saint-Michel.Foto: iStock
Von 25. März 2024

Die Bebauung der bezaubernden Gezeiteninsel Mont-Saint-Michel ist über 1.300 Jahre alt und gehört zu den faszinierendsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Dieser einzelne Felsen, der einen Kilometer vor der Nordwestküste des Landes liegt, umfasst eine festungsartige Abtei und ein winziges Dorf mit atemberaubender Wirkung.

Er mag wie die perfekte Kulisse eines Mittelalterfilms aussehen – doch der Mont-Saint-Michel, der von seiner Nation geliebt wird, wurde bereits im frühen 8. Jahrhundert bebaut. Heute ist die Insel ein beliebtes Touristenziel und zieht jährlich Millionen neugierige Entdecker an. Im Gegensatz dazu ist die Anzahl der dortigen Bewohner sehr gering. Gerade mal 25 Menschen leben hier dauerhaft, darunter auch Mönche und Nonnen der Abtei.

Ehre für den Beschützer

Die auf dem Berg gelegene Heilige Stätte befindet sich im Département de la Manche in der Westnormandie. Ihren Grundstein legte Bischof Aubert von Avranches im Jahr 708, indem er zu Ehren des Erzengels Michael einen Schrein errichten ließ.

Michael ist einer der Erzengel in der christlichen Mythologie und Anführer der himmlischen Heerscharen. Er ist dafür bekannt, dass er den Satan in Gestalt eines Drachen aus dem Himmel vertrieb. Dazu heißt es im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes 12,7-9:

Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie hielten nicht stand und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.“

Mont Saint-Michel wurde dem Erzengel Michael geweiht

Das Gemälde „Erzengel Michael besiegt den Satan“ von Raffael (1483–1520). Foto: Gemeinfrei

Der Legende nach erschien der Engel dem Bischof von Avranches im Jahr 708 in Visionen – dreimal. Jedes Mal bat er den Bischof darum, an dieser Stelle ein Heiligtum zu errichten, was dieser jedoch zunächst ignorierte. Erst nachdem ihm der Erzengel das dritte Mal erschienen war und dem Bischof den Finger in den Schädel bohrte, reagierte der Bischof und begann, wie die Legende besagt, mit dem Bau einer Kapelle.

Zweihundert Jahre später übergab der Herzog der Normandie das Gelände an Benediktinermönche, die unter der Aufsicht des berühmten normannischen Königs Wilhelm des Eroberers schließlich eine Abteikirche errichteten.

Im 11. Jahrhundert wuchs die gotische Abtei um die hoch aufragende romanische Kirche herum. Zeitgleich wuchs auch das sie umgebende Dorf, in dessen Blütezeit 400 Menschen auf dem Berg lebten.

Mont Saint-Michel im Sonnenschein

Auf Mont-Saint-Michel leben heute noch etwa 25 Personen, darunter auch Mönche und Nonnen der Abtei. Foto: iStock

Herausforderung für die Baumeister

Bei dem Bau der Wohnsiedlung wurden die Häuser entlang des Berghanges strukturell „übereinandergestapelt“, was eines der anspruchsvollsten Bauprojekte des Mittelalters war. Dies symbolisiert gleichzeitig den Aufbau der damaligen Gesellschaft.

Gestapelte Häuser in Mont Saint-Michel

Die Häuser wurden regelrecht „übereinandergestapelt“ – ein Mammutprojekt für mittelalterliche Bauherren. Foto: iStock

An der Spitze standen Gott und die Kirche, gefolgt von Händlern und Handwerkern und am Ende die Bauern und Fischer. Übertragen auf die Anlage von Mont-Saint-Michel steht die Abtei mit ihrer Kirche auf der Bergspitze. Dann folgen große Hallen, Geschäfte und die Wohnhäuser der Mittelschicht, während die Häuser der Bauern und Fischer am unteren Ende des Berges liegen.

Häuser in Mont Saint-Michel

Im unteren Bereich des Berges befanden sich die Häuser der ärmsten Bevölkerungsschichten. Foto: iStock

„Es ist kaum zu glauben, wie sie hier solche Gebäude auf dem Hügel erbauen konnten. Der Mont-Saint-Michel ist wie ein felsiger Kegel, ähnlich einer Pyramide. Der Gipfel liegt 80 Meter über dem Meeresspiegel. Versuchen Sie sich vorzustellen, dass es hier ein auf die Gezeiten abgestimmtes Transportsystem mit Flachbooten gibt. Die mittelalterlichen Baumeister brachten das gesamte Baumaterial mit diesen flachen Lastkähnen von verschiedenen Orten in der Normandie und sogar aus England hierher“, erklärt Reiseleiterin Anne Le Page.

Mont Saint-Michel bei Ebbe

Mit flachen Lastkähnen wurden die Baumaterialien bei Flut auf die einst sieben Kilometer von der Küste entfernte Insel gebracht. Foto: iStock

Zeitgleich entstand auch jenseits des Ärmelkanals eine ganz ähnliche Klosterfestung: St. Micheal’s Mount. Wegen ihrer besonderen Lage und des sie umgebenden Watts galten beide Anlagen als „uneinnehmbar“. Dennoch ist nur eine ihrem Ruf gerecht geworden.

So hielt die englische Anlage zwischen 1193 und 1646 zwar Dutzenden Angriffen stand, wurde aber auch einige wenige Male eingenommen. Angesichts dessen ist nicht auszuschließen, dass Erzengel Michael seine schützenden Hände mehr über sein – nach mehrfachen Bitten und langem Warten – errichtetes Heiligtum an der französischen Küste legte.

Der St. Michael’s Mount in Großbritannien ist das Gegenstück zum Mont-Saint-Michel in Frankreich. Foto: iStock

Gefährlicher Weg zur Burg

Wenig verwunderlich ist daher, dass Mythologie und spirituelle Inbrunst die hohen Türme der französischen Klosterinsel umgaben und jahrhundertelang christliche Pilger aus der Ferne anzogen. Ursprünglich lag die Küste jedoch viel weiter von der Insel entfernt: ganze sieben Kilometer.

Luftbild vom Mont-Saint-Michel

Ein sandiger Damm war der einzige Weg zum Mont-Saint-Michel. Foto: iStock

Somit führte die einzige Verbindung vom Festland zur Insel lange Zeit über einen sandigen Damm. Da sich der Mont-Saint-Michel im Watt befindet, war der Weg durch Ebbe und Flut außerdem nur zweimal am Tag passierbar. Doch auch die schnell kommende Flut und Treibsande konnten die Pilger nicht abschrecken.

Klostergang von Mont-Saint-Michel

Trotz schnell kommender Flut und Treibsanden fanden unzählige Pilger den Weg zur Abtei mit ihren grünen Gärten. Foto: iStock

Weil die Fluten „mit der Schnelligkeit eines galoppierenden Pferdes“ kommen konnten, nannten die mittelalterlichen Besucher den Ort auch „Mont-Saint-Michel au péril de la mer“ – auf Deutsch: Mont-Saint-Michel in den Gefahren des Meeres. Heute führt eine feste, befahrbare Brücke mit einer Länge von über 700 Metern zum Berg, die Touristen zu Fuß oder im Shuttlebus benutzen können.

Faszinierende Artefakte

Während des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) – einer Reihe von bewaffneten Konflikten zwischen England und Frankreich – wurden am Fuße der Insel Festungsmauern errichtet. Mithilfe von ihnen sollten englische Eindringlinge ferngehalten werden. Doch auch die Zahl der Pilger ging spürbar zurück.

Mehrere faszinierende Artefakte erinnern an die erstaunliche Vergangenheit und den unbeugsamen Geist von Mont-Saint-Michel. So stehen zwei schmiedeeiserne Kanonen trutzig stolz auf der äußeren Verteidigungsmauer. Angreifer hinterließen diese bei einer gescheiterten Belagerung im Jahr 1434.

Festungsmauer von Mont Saint-Michel

Im Hundertjährigen Krieg wurde die Festungsmauer zum Schutz gegen die Engländer errichtet. Foto: iStock

Am Eingang der Pfarrkirche Saint-Pierre, die im 15. und 16. Jahrhundert erbaut wurde, befindet sich eine Statue der Jeanne d’Arc. Dieses junge Bauernmädchen aus der Stadt Orléans behauptete, genau wie Bischof Aubert Jahrhunderte zuvor, vom Erzengel Michael wundersame Visionen gehabt zu haben. Tief bewegt vom Widerstand auf dem Mont-Saint-Michel, gelang es ihr, die Truppen anzuführen, um die Engländer bei der Belagerung von Orléans zurückzudrängen.

Zur Zeit der Französischen Revolution (1789–1799) lebten nur noch wenige Mönche in der Abtei, bis sie im Jahr 1791 in ein Gefängnis umgewandelt wurde. 70 Jahre später, unter der Herrschaft von Napoleon III., wurde dieses geschlossen und die über 600 Gefangenen in andere Einrichtungen verlegt. Doch auch dieses dunkle Kapitel konnte den Glanz von Mont-Saint-Michel nicht trüben.

Zwischen 1789 und 1799 diente die heilige Anlage als Gefängnis. Foto: iStock

Unter dem Schutz Michaels

Als der Schriftsteller Victor Hugo 1836 auf dem Berg ankam, war er von dessen Pracht überwältigt. Er bezeichnete den Ort als „wahrhaftig den schönsten Ort der Welt“. Jahrzehnte später wurde Mont-Saint-Michel auf Betreiben des Schriftstellers zum historischen Denkmal erklärt.

Innenraum der Abteikirche von Mont Saint-Michel

Innenraum der Abteikirche mit kunstvollem Kreuzgewölbe. Foto: iStock

Seit 1979 ist der Mont-Saint-Michel und seine Bucht Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Doch für die Bewohner ist die Insel immer noch ein lebendiges, atmendes Zuhause. Jahr für Jahr werden die Bewohner der Insel und Millionen Besucher von der wehrhaften Figur des Erzengels Michael bewacht, der sein Schwert auf der Spitze des neugotischen Turms in 90 Metern Höhe hochhält.

Den höchsten Turm von Mont-Saint-Michel ziert eine vergoldete Figur des Erzengels Michael. Foto: iStock

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Sacred Castle in the Sea Dedicated to the Warrior Angel Who Defeated Satan in Heaven: PHOTOS“. (redaktionelle Bearbeitung kms)



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