Neuer Wind bei den Regensburger Domspatzen – Singt Chor ab September mit weiblicher Verstärkung?

Epoch Times27. März 2019 Aktualisiert: 27. März 2019 18:23
Im September übernimmt Christian Heiß die Leitung des Knabenchors und löst damit Domkapellmeister Roland Büchner ab, der nach 25 Jahren Leitung in Rente geht.

Nach 25 Jahren geht der derzeitige Domkapellmeister Roland Büchner und gibt zu Schuljahresbeginn die Regensburger Domspatzen in die Hände des neuen Chorleiters.

Wenn es nach dem künftigen Leiter der Regensburger Domspatzen, Christian Heiß, geht, dann werden schon bald Mädchen im Chor singen. In seinen Jugendchören sind bereits viele Mädchen und er „weiß, wie toll sie singen“, so der Domkapellmeister in Eichstätt, gegenüber dem „Bayrischen Rundfunk“.

Ich weiß allerdings auch, dass jetzt schon die Diözese und vor allen Dingen das Domkapitel und die Diözesanleitung da schon sehr offen sind. Also das Thema Mädchen ist präsent und man wird sehen, wie es sich entwickelt“, so Heiß weiter.

Der 51-Jährige, der ab September die Leitung der Domspatzen übernimmt, ist sich sicher, dass der Chor irgendwann zu einer Öffnung kommt. Bereits seit einiger Zeit hat der älteste Knabenchor der Welt Nachwuchsprobleme.

Für Markus Weigl, den Pressesprecher der Domspatzen, ist eine eigene Mädchenkantorei vorstellbar. Von einem gemischten Chor halten auch die Domspatzen selbst nichts, des Klanges wegen, so sagen die Meisten laut „BR“, und außerdem: „Jungs unter sich – das ist halt doch was anderes.“

Eigene Kompositionen

In seiner fast 20-jährigen Tätigkeit setzt Heiß als Leiter mit Kinder- und Jugendchören im Bistum Eichstätt immer wieder Akzente. Er unterteilte die Kinder nach Alter, so dass sieben Chorgruppen ab Vorschulalter aufwärts entstanden. So wuchs die Jugendkantorei von anfangs 20 Mitwirkenden auf 110 Jungen und Mädchen. Sie nehmen mehrmals wöchentlich an der Chorprobe teil.

Insgesamt leitet der in oberbayerischen Titting Geborene drei Chöre der Dommusik. Er ist auch als Amtsleiter für die diözesane Kirchenmusik verantwortlich. Heiß komponiert auch. Eines seiner Chorwerke war das offizielle Geschenk der deutschen Bischöfe für Papst Benedikt XVI. bei dessen Deutschlandbesuch 2011, berichtet „Domradio“.

Der neue Chorleiter kann ein ein A-Diplom als Kirchenmusiker und ein Orgel-Meisterklassendiplom vorweisen. Beide erhielt er in München, unter anderem als Schüler von Franz Lehrndorfer (1928-2013).

Domkapellmeister Roland Büchner verabschiedet sich

25 Jahre lang hat Roland Büchner den Chor der Regensburger Domspatzen geleitet. Zum Schuljahresende geht der Kirchenmusiker in den Ruhestand.

Er trat 1994 die Nachfolge von Georg Ratzinger – Bruder des früheren Papstes Benedikt XVI. – als Domkapellmeister an. Eines seiner Ziele war es, die traditionsreiche Institution mit der Zeit gehen zu lassen. „Ich glaube schon, dass ich sagen kann: Ich habe das Haus geöffnet.“

Das gelte zum Beispiel für die Kinder aus dem Regensburger Umland. Früher hätten alle Chorknaben, die mehr als zehn Kilometer entfernt wohnten, in das Internat gehen müssen. Das waren etwa 90 Prozent der Domspatzen. Heute stammten die meisten Schüler aus der Umgebung und wohnten weiter in ihren Familien. 115 der knapp 300 Gymnasiasten besuchen heute das Internat. Büchner sieht hier einen Trend, der nicht neu ist. Familien, die ein oder zwei Kinder haben, schickten diese nicht mehr in ein Internat.

Auch mit anderen Maßnahmen versuchte er, mehr Schüler zu gewinnen. Die abendlichen Chorproben verlegte Büchner in den Nachmittag – um den Tagesschülern entgegenzukommen. Den wöchentlichen Unterricht am Samstag kürzte er auf einen 14-tägigen Rhythmus. Damit sich der Familienalltag leichter mit dem der Domspatzen vereinbaren lässt.

Den Skandal um Missbrauch und Misshandlungen bei den Domspatzen zwischen 1945 und den frühen 1990er Jahren sieht Büchner nicht als entscheidenden Grund für rückläufige Schülerzahlen. Die Schule setze alles daran, dass sich solche Fälle nicht wiederholen. So gibt es seit einigen Jahren einen Arbeitskreis Prävention, in dem Schüler, Eltern und Lehrer für das Thema sensibilisiert werden. Der 2017 vorgelegte Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal zeigte, dass mindestens 547 Chorsänger Opfer von Gewalt geworden sind.

Die Kinder fürs Singen zu begeistern sei nicht schwieriger als in früheren Jahren, sie hätten lediglich weniger Singerfahrung, sagt Büchner. Er sieht im Singen keine Arbeit. Sein Credo lautet: „Singen ist die sinnvollste Freizeitbeschäftigung.“ (dpa/sua)

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