Amerika am Scheideweg: Lasst uns die Bildung unserer Kinder selbst in die Hand nehmen

Von 4. August 2020 Aktualisiert: 4. August 2020 18:15
Öffentliche Schulen gewöhnten Kinder daran, Informationen eingeflößt zu bekommen, anstatt selbst nach Wissen zu suchen. Dies sei ein Systemfehler, findet unser Gastautor, der Schriftsteller und Lehrer Jeff Minsk aus den USA. Eltern sollten seiner Meinung nach mehr ins Bildungswesen eingreifen. In den USA ist das mit Homeschooling - dem Heimunterricht - möglich.

Als ich meine Tochter und ihre Familie in Elmhurst, Pennsylvania, besuchte, stand ich in einer Schlange vor einem Aldi. In der Nähe des Eingangs desinfizierte eine Angestellte die Griffe der Einkaufswagen, die die Kunden vom Parkplatz zurückgebracht hatten, und sprach mit einer Kundin und ihrer jugendlichen Tochter. 

Die Aldi-Mitarbeiterin erwähnte ihren 16-jährigen Sohn und wie sehr dieser die Schule vermisse. „Er sagte mir, er habe seit der Schließung der Schulen nichts mehr gelernt. Nichts“, sagte sie.

Diese Bemerkung erregte meine Aufmerksamkeit, denn sie prangert im Falle des jungen Mannes das öffentliche Bildungswesen an – die Frau nannte die Schule ihres Sohnes. Nachdem er 10 Jahre lang in einem Klassenzimmer gesessen hatte, hatte er sich daran gewöhnt, Informationen mit dem Löffel gefüttert zu bekommen, anstatt selbst nach Wissen zu suchen.

Ein Fehler im System

Die Ereignisse der letzten fünf Monate sollten uns in Bezug auf unser Bildungswesen innehalten lassen. Viele Eltern hatten wegen der Schließung unserer Schulen ein tieferes Verständnis dafür bekommen, was ihre Kinder im Klassenzimmer lernen. Und viele, so vermute ich, sind mit dem Fund unzufrieden.

Es gibt Anzeichen dafür, dass die Zahl der Schüler, die zuhause beschult werden, ab Herbst dramatisch steigen wird. Hier in Front Royal, Virginia, z. B. berichtete die Seton Home Study School im Juni über einen 35-prozentigen Anstieg der Einschreibungen für das kommende Schuljahr. Die Seton Home Study School ist eine katholische Einrichtung, die Lehrpläne, Unterrichtspläne und Prüfungen für Schüler im In- und Ausland anbietet.

Laut der Schulbehörde erreichen die Einschreibungen im August ihren Höchststand, so dass die Zahl bis zum Ende des Sommers wahrscheinlich steigen wird. Der gleiche Anstieg der Einschreibungen gilt zweifellos auch für andere Schulen, die Heimunterricht anbieten.

Probleme des Bildungswesens sind nicht neu

Sorgen über das Versagen unserer Schulen existieren bereits seit Jahrzehnten. Beispielsweise fragt eine Journalistin in einem Online-Video [des Journalisten] Guy Benson die US-Botschafterin in Frankreich, Jamie McCourt, ob sie sich Sorgen mache, dass wir Gefahr laufen könnten, den Amerikanischen Traum zu verlieren. McCourt erinnerte ihr Publikum in ihrer Antwort daran, dass die Probleme des amerikanischen Bildungswesens nicht neu sind:

„Ich bin wie gelähmt. Ich bin nicht nur besorgt. Ich meine, es ist schrittweise über die Jahre gekommen“, meinte sie. 

Die Bildung unserer Kinder ist ein bisschen anders als zu meiner Zeit. Sicherlich, weil wir uns weniger auf die Grundlagen, die Staatsbürgerkunde, und darauf konzentrieren, warum bestimmte Dinge für unser Land wichtig sind. Die Menschen müssen verstehen, warum es ein solcher Schatz ist, und es gibt keinen vergleichbaren Ort auf der ganzen Welt“, so Botschafterin McCourt.

Wird den Schülern von heute beigebracht, dass ihr Land „ein Schatz“ ist, dass „es auf der ganzen Welt keinen vergleichbaren Ort gibt“?

Die jüngsten Ereignisse legen etwas anderes nahe. Die mit Brettern vernagelten Läden in Manhattan, Minneapolis und anderen Städten, die geplünderten Geschäfte, die brüllenden Mobs junger Radikaler. Viele von ihnen mit College-Ausbildung, die „Cancel-Culture“-Anhänger, die marxistischen Parolen, die schrillen und abfälligen Angriffe auf Amerika – all das spiegelt das wider, was diesen Menschen im Klassenzimmer beigebracht wurde.

Was können wir also tun, um die von Botschafterin McCourt erwähnten Bildungsstandards wiederherzustellen? 

Wie können wir kritisches Denken, das Studium der Geschichte und ihrer Nuancen, eine tiefere Kenntnis der Staatsbürgerkunde und eine Wertschätzung der westlichen Kultur im Allgemeinen fördern? Lassen Sie es uns näher betrachten.“

Klein ist schön

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Einer meiner College-Professoren besuchte die Klassen 1 bis 8 in einem Schulhaus mit einem Raum in South Carolina. Er war mit den anderen Schülern, anderen Kindern aus dieser kleinen Gemeinde und mit dem Lehrer gut vertraut. Später machte er seinen Abschluss in Washington und Lee und promovierte an der Universität von Wisconsin in Geschichte. 

In seinen Ausführungen zum Wert seiner Früherziehung bemerkte er mehrmals, er habe viel gelernt, als er zuhörte, wie der Lehrer Schüler der oberen Klassen unterrichtete, während er an seinen Aufgaben arbeitete.

Viele Familien mit Heimunterricht machen eine ähnliche Erfahrung. Sie bilden Kooperativen, in denen Eltern, Großeltern und andere den Unterricht in Fächern von Mathematik bis Kunst anbieten. 

Jahrelang unterrichtete ich Latein, Literatur und Geschichte für Schüler im Heimunterricht, bis hin zu und einschließlich Kursen auf College-Niveau. Die meisten von ihnen zeigten eine großartige Leistung, teilweise wegen der kleinen Klassengröße, teilweise weil wir uns gut kennengelernt haben.

Unsere öffentlichen Schulen und unsere Universitäten könnten von diesen Beispielen lernen. Da so viele größere Institutionen einen fabrikähnlichen Bildungsansatz verfolgen, wäre eine solche Veränderung zwar schwierig, aber nicht unmöglich. 

Mehr Lehrer einzustellen und viele Verwaltungsstellen zu kürzen wäre zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.“

Wir sollten die Regierung aus dem Bildungswesen verdrängen

1963 trat ich als Siebtklässler in die Staunton-Militärakademie ein, die heute schon lange nicht mehr existiert. Einige meiner Klassenkameraden stammten aus wohlhabenden Familien und hatten Privatunterricht genossen. Doch in meinen zwei Jahren an der Akademie war ich Klassenbester – das Werk der Grundschule von Boonville, einer kleinen Stadt in Piemont, North Carolina, ohne öffentliche Bibliothek. 

Meinen akademischen Erfolg verdanke ich den Lehrern in Boonville. Diese unterrichteten und drillten uns in den Grundlagen der Mathematik, Literatur, Grammatik, Geschichte und Naturwissenschaften. Und das alles ohne die Unterstützung seitens der Bundesregierung.

Heute verlangt die Regierung, dass die 50,8 Millionen Schüler an öffentlichen Schulen – eine Zahl aus der Statistik des US-Bildungszentrums – nach den Richtlinien des Bundes unterrichtet werden sollten. Das ist falsch. 

Vor fünf Jahren zum Beispiel verwarf die Schule „Mason Classical Academy“ in Naples, Florida, den gemeinsamen Basislehrplan der Bundesregierung. Stattdessen wechselte diese Schule in freier Trägerschaft zu Phonetik, Grundlagenmathematik und klassischer Literatur, Geschichte und bildender Kunst. 

Als Schüler der dritten und fünften Klasse von Mason die erforderlichen Prüfungen des Basislehrplans ablegten, rangierten sie unter den besten zwei Prozent der Schüler in Florida.

Es ist an der Zeit, sich von den Bürokraten zu verabschieden und die Klassenzimmer an unsere Lehrer zurückzugeben.“

„Cancel-Culture“-Bewegung auf den Kopf stellen

„Cancel Culture“ bedeutet heute, dass jemand, mit dem man nicht einverstanden ist, boykottiert oder von einem bösartigen Mob im Internet angegriffen wird. Ein Prominenter macht eine Bemerkung, die manche für sexistisch halten, und wird auf Twitter von Angreifern überrannt. 

Der Besitzer von Goya Foods sprach sich positiv über Präsident Trump aus und die Linke drängt auf einen Boykott der Firma. Das ging in diesem Fall nach hinten los, denn andere animierten dazu, Goya durch den Kauf seiner Produkte zu unterstützen.

Ich schlage vor, dass wir „Cancel Culture“ auf den Kopf stellen und unser Bestes tun, um die hässliche, falsch informierte und oft grausame Kultur, in der wir leben, zu beenden. 

Statt der antiamerikanischen Geschichte, die in so vielen unserer Sekundarschulen gelehrt wird – ich denke dabei insbesondere an Howard Zinns „A Young People’s History of the United States“ und das „1619 Project“ der „New York Times“ –, sollten wir ein ausgewogeneres Lehrbuch wie Wilfred Mc Clays „Land of Hope: An Invitation to the Great American Story“ verwenden. 

Warum lässt man Sexualkunde nicht weg und unterrichtet stattdessen Staatsbürgerkunde, damit ein Schulabsolvent weiß, dass die US-Regierung aus drei Gewalten besteht und wie diese funktionieren?

Warum lehren wir unsere Kinder nicht, wie sie effektiv schreiben können, eine Fähigkeit, die praktisch jeder in der heutigen Arbeitswelt braucht.

Doch am Wichtigsten: Warum bringen wir unseren Kindern nicht bei, wie sie sich selbst bilden können? Mit unseren öffentlichen Bibliotheken und unseren elektronischen Geräten verfügen wir über die besten Lernwerkzeuge der Weltgeschichte. Wir haben damit absolut keine Entschuldigung für die miserablen Testergebnisse und das fehlende Grundlagenwissen unserer Schüler.

Verantwortung übernehmen

In diesem Jahr steht Amerika an einem Scheideweg, wie wir ihn seit dem Bürgerkrieg nicht mehr erlebt haben. Viele in unserem Land, einige von ihnen wissentlich, andere unwissentlich, rufen geradezu nach dem Sozialismus. 

Der Sozialismus ist das Gegenteil der Prinzipien ‚Leben, Freiheit und das Streben nach Glück‘, die nicht nur von unseren Gründervätern hochgehalten wurden, sondern auch von den darauf folgenden Generationen.“

Oft hören wir heutzutage den Begriff  „erwacht“, einen Begriff, den die Linke benutzt, um ein Bewusstsein für Fragen der sozialen Gerechtigkeit zu beschreiben. Wie bei „Cancel Culture“ sollten wir „erwacht“ nehmen, uns diesen Ausdruck zu eigen machen und ihn auf die Bildung anwenden. 

Eltern sollten sorgfältig darauf achten, was ihre Kinder in der Schule lernen. Sie sollten die Schulbücher prüfen, die die Kinder mit nach Hause bringen. Und wenn ein Fehler gefunden wird, sollten sie ihre Bedenken an die Schule richten. 

Sie sollten mehr Wahlfreiheit in der Bildung einfordern, insbesondere im Hinblick auf Schulen in freier Trägerschaft. 

Wenn ihre Forderungen ablehnt werden, sollten sie, wenn es die Umstände erlauben, ihre Kinder auf Privatschulen schicken, sie zu Hause unterrichten oder Lerngemeinschaften einrichten, ähnlich den Einklassenschulen.

Wir müssen auf der Hut sein, denn Gift kann in verschiedenen Formen kommen.

Hoffnung und Einsatz

Die Bestsellerautorin Heather Mac Donald schrieb den Artikel „Four Months of Unprecedented Government Malfeasance“ (zu deutsch: „Vier Monate der beispiellosen Gesetzesübertretung der Regierung“). Er erschien in der Mai 2020-Ausgabe der Zeitschrift „Imprimis“ des Hillsdale College. 

Am Ende ihres Artikels schreibt Mac Donald: „Die Gründerväter Amerikas, geschult in einer tiefen philosophischen und literarischen Tradition, die bis in die klassische Antike zurückreichte, verstanden die Zerbrechlichkeit des zivilen Friedens und die Gefahr des gierigen, rachsüchtigen Mobs.“

„Unsere heutigen Führer, die das Ergebnis eines politisierten und fehlgeschlagenen Bildungswesens sind, scheinen von diesen Wahrheiten nichts zu wissen. Um das Land von dem Abgrund zurückzureißen, ist eine Rückbesinnung auf unser zivilisatorisches Erbe erforderlich“, so Mac Donald.

Das Land von dem Abgrund zurückzureißen bedeutet, die Bildung zu retten und wiederzubeleben. Die meisten unserer Politiker und Kulturgurus und sogar viele unserer Lehrer zeigen wenig Interesse an diesem Rettungsversuch; einige scheinen sogar entschlossen zu sein, den Wettlauf zum Nihilismus fortzusetzen.

Es liegt also an uns. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und uns an die Arbeit machen. Wir müssen dort anfangen, wo wir sind, und dafür sorgen, dass unsere Kinder eine Bildung erhalten, die diesen Namen verdient.

Jeff Minick hat vier Kinder und eine wachsenden Anzahl von Enkelkindern. 20 Jahre lang unterrichtete er Geschichte, Literatur und Latein für Schüler im Heimunterricht in Asheville, North Carolina. Heute lebt und arbeitet er in Front Royal, Virginia, und schreibt einen Blog, JeffMinick.com.

Das Original erschien in der englischen EPOCH TIMES (deutsche Bearbeitung von as)
Originalartikel: Let’s Take Back Our Schools: It’s Time to Change the Way We Educate Our Children

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

Eine Buchempfehlung vom Verlag der Epoch Times

Die wichtigste Funktion der Bildung ist die Erhaltung und Weitergabe der traditionellen Kultur der Menschheitsgeschichte. Die Lehrer sind die Schlüsselfiguren, welche die Vergangenheit zum Wohle der Zukunft zusammenfügen. „Ein Lehrer soll das Dao weitergeben, die Lehren vermitteln und Unklarheiten beseitigen“, so lautet ein chinesisches Sprichwort.

Die Befürworter der Reformpädagogik behaupten, dass der Unterricht den Schüler in den Mittelpunkt stellen, ihn selbstständig erkunden und seine eigenen Antworten finden lassen muss. Doch der Inhalt traditioneller Lehrbücher war eine Zusammenstellung von Tausenden von Jahren menschlicher Zivilisation. Wie kann das von jungen und unwissenden Schülern so rasch durchdrungen werden?

Die oftmals nicht erkannte Absicht der Reformpädagogik ist es, die Schüler von ihrer Bindung an die traditionelle Kultur zu trennen. Die Nichtakzeptanz der Autorität der Lehrer im Bildungsprozess ist eine Verneinung ihrer Rolle bei der Weiterführung des gesellschaftlichen Wissens. Das ist das hinterhältige Motiv des Kommunismus. Daisy Christodoulous „Seven Myths About Education“ (auf Deutsch: Sieben Mythen über die Bildung) analysierte und widerlegte sieben weit verbreitete Irrtümer, darunter die Behauptungen, dass Fakten das Verständnis verhinderten; dass lehrergeführter Unterricht passiv sei; dass der beste Weg zum Lernen Projekte und Aktivitäten seien; dass die Vermittlung von Wissen Indoktrination wäre und anderes.

Die meisten dieser Mythen sind Überreste der Reformpädagogik, doch nachdem sie über mehrere Generationen hinweg weitergegeben worden waren, wurden sie zu einer Seuche der Bildungsarbeit. 

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