Lieferketten-Desaster: Abhängigkeit von China vor allem im Verarbeitenden Gewerbe

Die „Fragilität internationaler Lieferketten“ habe in der Corona-Pandemie ihr wahres Gesicht gezeigt. Der Ruf nach mehr Entkopplung („Decupling“) vom Ausland, respektive China, wurde laut. Zwei Ökonomen vom Institut der Deutschen Wirtschaft, Galina Kolev und Thomas Obst, haben deswegen die Abhängigkeit Deutschlands von globalen Lieferketten untersucht. Dabei spielte die Abhängigkeit von China eine besondere Rolle.

„Der drohende Zusammenbruch wichtiger internationaler Lieferketten (…) hat die Diskussion um die Abhängigkeit (…) vom Ausland neu entfacht“, heißt es zu Beginn der Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Kein zweites G20-Land so intensiv in globale Lieferketten integriert

Modelle wie „Outsourcing“, geringe Lagerbestände, „schlanke Produktionslinien“ und „Offshoring“, brachten Unternehmen zwar Größen- und damit Kostenvorteile. Doch diese Modelle stünden im Disput mit der Abhängigkeit von globalen Lieferketten, heißt es in der Studie. Denn es gilt: Je billiger ein Unternehmen im Ausland produziere, desto mehr Abhängigkeit, konstatieren die Ökonomen.

Dass diese Abhängigkeit allerdings direkt die Versorgungslage Deutschlands beeinträchtigen könne, sehen die Autoren der Studie aufgrund der weltweiten Betriebsschließungen als bewiesen. Die Autoren halten es deswegen für bedenklich, an einer solchen Abhängigkeit weiter festzuhalten.

Das sei vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass Industrie und der Export für den Wohlstand Deutschlands eine besondere Bedeutung haben.

Unter den G20-Ländern gibt es kein zweites Land, das so intensiv in die internationalen Lieferketten integriert ist, wie Deutschland“, heißt es in der Studie.

Die Autoren ermittelten zum Beispiel, dass – im Jahr 2019 – das Verhältnis des Handelsvolumens gemessen am Bruttoinlandsprodukt 88 Prozent betrug, wobei Handelsvolumen Exporte plus Importe sind.

Fast 10 Prozent der ausländischen Wertschöpfung von China abhängig

Um globale Abhängigkeiten, insbesondere von China, herauszufinden, haben die Autoren die ausländische Wertschöpfung ermittelt, die in deutsche Leistungen einfließt. Dazu haben sie von den Importen die Vorleistungen abgezogen, die zuvor importiert wurden.

Beispiel: China hat an die USA Vorleistungen, zum Beispiel Elektronikteile, im Wert von 20 geliefert. Die USA verarbeiten diese Vorleistungen zu einem Endprodukt, zum Beispiel einem Auto, und exportieren diesen für 100 nach Deutschland. In der Handelsstatistik des Statistischen Bundesamtes würde China nicht auftauchen, sondern nur die USA mit einem Import von 100. Betrachtet man die Wertschöpfung kommen 20 aus China und 80 aus den USA.

Inwieweit mehrstufige Lieferketten bis zum ursprünglichen Wertschöpfungsbeginn zurückverfolgt werden, geht aus der Studie allerdings nicht hervor. 

Die Studie präsentiert nun eine knapp 25-prozentige Abhängigkeit (23,4 Prozent) Deutschlands von der ausländischen Wertschöpfung. Das bedeutet, Deutschland benötigt Leistungen von rund 25 Prozent aus dem Ausland, um seinerseits Leistungen im In- und Ausland an Konsumenten, Unternehmen, den öffentlichen Sektor und die Exportwirtschaft anzubieten.

Die Berechnungsgrundlage haben die Autoren der „TiVA-Datenbank“ der OECD entnommen. Diese weist Input-Output-Tabellen für einzelne Staaten auf, die Aussagen zu den Vorleistungen für die importierten Leistungen treffen. Der letzte verfügbare Datensatz stammt wegen der Komplexität allerdings aus dem Jahr 2015.

An dieser ausländischen Wertschöpfung hat China einen Anteil von rund 8 Prozent. Weltweit nimmt China damit Position Nummer zwei nach den USA bei den Vorleistungen ein (EU-Gesamt nicht einbezogen).

Verarbeitendes Gewerbe: China kontrolliert ausländische Wertschöpfung zu einem guten Drittel

Eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit von China machten die Autoren vor allem im Verarbeitenden Gewerbe fest.

Dem Bericht zufolge liegt der Importanteil der ausländischen Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe mit 35,1 Prozent „weit über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt“ von 23,4 Prozent. Die größte Bedeutung hat hier China. An der ausländischen Wertschöpfung hat China einen Anteil von 10,8 Prozent. Danach folgen die USA und England.

Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes variiert die Abhängigkeit von China. Unter anderem bestehen folgende Abhängigkeiten von China:

Deutschland importiert zwischen 60 und 70 Prozent Endprodukte aus China

Denn im Jahr 2019 betrugen die Importe aus China rund 110 Milliarden (konkret: 109.890.364.000) Euro. China befindet sich mit 10 Prozent auf Platz Nummer eins der deutschen Importe.

Inwieweit importierte Güter und Dienstleistungen China aus anderen Staaten bezogen hat, können die Ökonomen mangels Zahlenmaterial nicht ermitteln. Aber sie hegen die Vermutung, dass China nicht alles selbst produziert, sondern sich zuvor Importen aus Drittländern bedient.

Weiter geben die Zahlen der Studie Aufschluss, wie viele fertige Waren und Vorleistungen aus China bezogen werden. Nach Angaben der Autoren beträgt der Anteil der Vorleistungen rund 40 Prozent.

Im Umkehrschluss dürfte dies bedeuten, dass rund 60 Prozent komplett fertige Produkte aus China importiert werden – also Produkte, die in Deutschland noch nicht einmal weiterverarbeitet werden, sondern schon komplett fertig geliefert werden.

Wohlstandseinbußen zugunsten weniger Abhängigkeit

Einerseits sei „nationale Abschottung“ nicht die Lösung. Und gestörte Lieferketten sollten auch nicht noch mehr gestört werden. Doch „die Annahme, dass sich Marktwirtschaft, Liberalismus und Demokratie durch genügend Freihandel bedingen, hat sich nicht bestätigt“, fügen die Autoren hinzu. Insbesondere Chinas wirtschaftlicher „Aufstieg“ habe hier zwar vielversprechend geklungen. Die Schwächen der Globalisierung seien jedoch zunehmend zutage getreten.

Zur Sicherstellung der Infrastrukturen und Versorgung sehen die Autoren nur eine „verstärkte Regionalisierung als Lösung. Eine strukturelle Änderung der Wertschöpfungsketten liegt [dabei] zuerst in der Hand der Unternehmen“, die den Disput zwischen Abhängigkeit und Kostenvorteilen neu bewerten müssen, sagen die Autoren.

Die Abkehr von der „Machtpolitik“ könnte zwar zu Wohlstandsverlust führen. Im Fokus einer geringeren Abhängigkeit ist das aus Sicht der Autoren aber akzeptabel.

Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/ausland/lieferketten-desaster-wirtschaftliche-abhaengigkeit-von-china-im-verarbeitenden-gewerbe-a3223479.html