Erntehelfer unterwegs.Foto: iStock

Deutschland: Beschäftigungswunder liegt zu 40 Prozent an Einwanderung aus anderen EU-Ländern

Von 30. Dezember 2019 Aktualisiert: 30. Dezember 2019 16:55
Mit einer prognostizierten Erwerbslosenquote von 3,0 Prozent im Jahr 2020 bewegt sich Deutschland auf den Zustand der Vollbeschäftigung zu. In der Eurozone insgesamt sind jedoch immer noch mehr Menschen arbeitslos als 2007 – dem Jahr vor der weltweiten Finanzkrise.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland dümpelt im Null-Komma-Bereich, ganze Industriezweige geraten unter Druck infolge hoher Steuerbelastung, Bürokratie und Dirigismus – und trotzdem verzeichnet Deutschland immer noch ein Jobwunder. Für die „Welt“ hat Tobias Kaiser dieses unter die Lupe genommen und er kommt zu dem Schluss, dass dieses noch nicht am Ende angelangt sei.

Gute Voraussetzungen für Beschäftigungsboom nach Krise

Vielmehr sei bei einer Erwerbslosenquote von 3,1 Prozent sogar die Vollbeschäftigung bald wieder ein Thema. Im Jahr 2020 soll sie sogar noch weiter auf 3,0 Prozent sinken. Grundlage für die Analyse sind Berechnungen der Unternehmensberatung EY, die dem Blatt vorliegen.

Die Daten von EY können von offiziellen Daten europäischer Arbeitsbehörden oder der deutschen Bundesagentur für Arbeit abweichen, weil diese zum Teil andere Standards als jene der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verwenden. Auf diese beruft sich jedoch EY. In der Grundtendenz zeichnet sich jedoch auch bei den offiziellen Stellen eine ähnliche Entwicklung ab.

Einige Faktoren, die den Boom auf dem Arbeitsmarkt begünstigten, hatten sich schon länger abgezeichnet. Die tiefgehenden Reformen der Ära Schröder hatten noch im Laufe der 2000er Jahre zu greifen begonnen und für Entlastung gesorgt. Die weltweite Finanzkrise hat in der gesamten Eurozone für Spannungen gesorgt, die einen Zuzug ins vergleichsweise glimpflich davongekommene Deutschland erwarten ließen. Zudem macht sich der Geburtenschwund immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.

Von 8,2 Millionen Zuwachs entfallen fünf auf Deutschland

Der derzeitige Beschäftigungsboom im Deutschland hat möglicherweise jedoch deutlich mehr mit der Gesamtsituation innerhalb der Eurozone zu tun als mit Weichenstellungen der Regierung in Berlin selbst.

Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ein erheblicher Teil des Zuwachses auf EU-Bürger aus anderen Mitgliedstaaten zurückzuführen ist. Seit 2010 seien unter dem Strich knapp 2,3 Millionen EU-Bürger nach Deutschland eingewandert – und haben seitdem rund 40 Prozent der neu geschaffenen Stellen besetzt.

In diesem Jahr sind in allen Ländern der Eurozone etwa 8,2 Millionen Menschen mehr beschäftigt als 2007. Allerdings entfallen etwa fünf Millionen davon allein auf Deutschland und auch darüber hinaus ist der Zuwachs an Beschäftigung sowohl zwischen den Branchen als auch zwischen den Regionen ungleichmäßig verteilt.

Auch in Deutschland selbst profitieren nicht alle Bundesländer und Regionen gleichermaßen von der Entwicklung.

Eine noch dynamischere Entwicklung als in Deutschland, wo die Erwerbslosenquote im genannten Zeitraum um 5,4 Prozentpunkte gefallen war, gab es innerhalb des gemeinsamen Währungsraumes nur noch in der Slowakei mit 5,5 Prozent. Dort liegt die Erwerbslosenquote heute bei 5,7 Prozent. Mit Quoten unter vier Prozent wird für das kommende Jahr noch in den Niederlanden, in Malta und in Slowenien gerechnet.

Immer noch 660 000 Menschen mehr ohne Job als 2007

Auch wenn Deutschland und eine Handvoll weiterer Länder der Eurozone zufriedenstellende Zahlen aufweisen, kann von einer Erholung in den Ländern der Währungsunion insgesamt keine Rede sein. So waren im Jahr 2019 EY zufolge nach wie vor 12,4 Millionen Menschen ohne Job – und damit um knapp 660 000 mehr als 2007, dem Jahr vor Ausbruch der Finanzmarktkrise.

Nur in neun der 19 Euro-Länder hat sich die Lage seit damals gebessert. In Ländern wie Spanien, Griechenland oder Italien, wo im Zuge der Krise hunderttausende Stellen weggefallen waren, liegt die Quote heute noch 9,9 (Italien) und 17,1 Prozent (Griechenland). Im Jahr 2014 reichte die Spanne im Bereich der Erwerbslosenquote laut Bertelsmann-Stiftung gar von vier bis zu 27 Prozent.

Unter Jugendlichen lag die Arbeitslosigkeit in den südeuropäischen Krisenländern stellenweise bei bis zu 60 Prozent.

Im Jahr 2020 soll in der Eurozone etwa eine Million weiterer Stellen entstehen. Auch hier ist jedoch wieder von regional höchst unterschiedlichen Verteilungen auszugehen. Trotz eines prognostizierten Rückgangs der Zahl der Arbeitslosen um etwa 400 000 Personen werden immer noch mehr Menschen ohne Job sein als 2007.

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