BKA-Chef vermutet 500 Terroristen in Deutschland – keine „Terrorwarnung“ bei EM

Epoch Times5. Juni 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 1:19
Knapp 500 Islamisten, denen man einen Anschlag zutraut, befinden sich derzeit in Deutschland. Das sagte BKA-Chef Holger Münch gestern in einem FAZ-Interview zur aktuellen Lage. Bei der Fußball-EM gebe es „umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen“, doch konkrete Anschlagspläne seien nicht bekannt.

„Wir haben ein großes islamistisches Potenzial von Personen, die wir genau im Blick behalten müssen“, sagte BKA-Chef Holger Münch der FAZ. Erst am Donnerstag wurden drei

syrische Asylbewerber festgenommen, die in Düsseldorf einen Selbstmordanschlag geplant haben sollen. „Der Hinweis kam aus Frankreich, dort hatte sich ein vierter Verdächtiger selbst gestellt und die Namen der drei genannt“, so Münch zur FAZ. Diese Festnahmen stünden nicht im Zusammenhang mit der Fußball-EM. Der Vorfall sei „ein weiterer Beleg dafür, dass ganz Europa und damit auch Deutschland im Zielspektrum des sogenannten IS ist“, so der BKA-Chef.

Zur Zahl der Gefährder sagte er: Es gebe 810 Personen, die aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak ausgereist seien, etwa ein Drittel von ihnen ist zurückgekehrt. „Die Zahl der sogenannten Gefährder, also Personen, denen wir einen terroristischen Anschlag zutrauen, liegt bei fast 500“, so Münch. Sowohl in Deutschland als auch darüber hinaus seien die Islamisten gut vernetzt.

Das BKA habe mittlerweile mehr als 380 Hinweise auf angebliche Mitglieder oder Unterstützer von terroristischen Gruppierungen bekommen, denen man nachgehe.

Gefahrenlage EM

Medien hätten die Gefährdungsbewertung des BKA ausgelegt, als warne das BKA vor Anschlägen während der Fußball-EM. „Das haben wir nicht getan, es gab keine Terrorwarnung. Und es gibt derzeit auch keine Hinweise, die auf konkrete Anschlagsplanungen hindeuten“, so Münch. Man habe allerdings auf die Notwendigkeit eines sehr hohen Sicherheitsstandard hingewiesen und arbeite eng mit französischen Behörden zusammen.

Münch fordert einen stärkeren Informationsaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden in Europa. Europol könne etwa bei der Auswertung der Listen mit den Namen mutmaßlicher IS-Kämpfer eine wichtigere Rolle spielen, sagte er. Bei gemeinsamen europäischen Systemen gebe es jedoch „Nachholbedarf“, so Münch: „Bis zu 80 Prozent der Daten in den verschiedenen europäischen Systemen, die für die Arbeit von Sicherheitsbehörden von Bedeutung sind, stammen aus fünf Staaten.“ (rf)

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