Per WhatsApp gegen islamistischen Hass

Epoch Times5. November 2019 Aktualisiert: 5. November 2019 7:36
"Heutzutage rekrutieren die Dschihadisten per WhatsApp", sagt der Imam Hama Cissé. "Das muss aufhören."

Seine Stimme ist hoch und unverwechselbar, sein Charisma verfängt. Die flammenden Predigten des Islamistenführers Amadou Koufa sind in Mali nicht nur ununterbrochen in den Lokalradios zu hören, als Handy-Sprachnachrichten verbreiten sie sich bis in die entlegendsten Gegenden der Sahelzone. Er predigt in Fulfulde, der Sprache des Hirtenvolks der Fulbe, die auch Peul genannt werden. Für sie ist der Chef der Dschihadistengruppe Katiba Macina ein Held.

„Heutzutage rekrutieren die Dschihadisten per WhatsApp“, sagt der Imam Hama Cissé. „Das muss aufhören.“ Er kennt Koufa aus den 1980er Jahren. Damals warb er noch nicht für die Scharia, sondern zog als Sänger und Erzähler durchs Land, der „jungen Fräulein“ gegen ein paar Münzen Gedichte vortrug. Erst nach dem Islamstudium im Ausland radikalisierte er sich.

Ohnmächtig sah Imam Cissé jahrelang zu, wie sich immer mehr junge Fulbe-Männer der Katiba Macina Gruppe anschlossen, unter ihnen auch mehrere seiner Brüder und Neffen. „Unsere Kinder ziehen unter Koufas Führung in den Tod und es werden von Tag zu Tag mehr“, resümiert der 55-Jährige bitter.

Seit vier Jahren herrschen in der zentralen Region Mopti Gewalt und Unruhe – zuvor waren Islamisten-Gruppen vor allem im Norden Malis eine Bedrohung. Auch die Bundeswehr ist in dem Krisenland im Norden in einem Einsatz, der als ihr gefährlichster weltweit gilt. Derzeit wird bei der UN diskutiert, die Militärmission in Mopti auszuweiten.

In Zentralmali wurden inzwischen zehntausende Menschen vertrieben, 600 Schulen sind geschlossen. Die Menschen leiden nicht nur unter den Islamisten, sondern auch unter den Konflikten der verschiedenen Volksgruppen. Konflikte zwischen den teils nomadisch lebenden Viehzüchtern der Fulbe und den sesshaften Volksgruppen gibt es zwar schon seit Jahrzehnten. Doch die Lage eskalierte.

Lange schwieg Imam Cissé aus Angst vor Repressalien und mied seine Heimatregion Mopti. Doch nun versucht er, der islamistischen Propaganda etwas entgegenzusetzen. Im Radiosender des Fulbe-Verbandes Tabital Pulaaku predigt er von der Hauptstadt Bamako aus einen toleranten Islam und versucht, diese Gegenbotschaft ebenfalls per WhatsApp in die Provinz zu tragen.

Auch Ousmane Bocoum will den Islamisten nicht länger den Diskurs überlassen. Er ist kein Theologe, sondern Schürzenverkäufer auf dem Markt in der Stadt Mopti. Ist gerade kein Kunde da, kämpft er mit dem Handy gegen die Dschihadisten. Er verfolgt genau, was sie über Facebook und WhatsApp verbreiten. „Mir ist aufgefallen, dass sie in ihren Predigten die Koranverse auf ihre eigene Weise interpretieren“, sagt der 36-Jährige. „Darauf antworte ich dann und erkläre, was der Koran in Wahrheit sagt.“ Innerhalb einer halben Stunde bekomme er meist Reaktionen, oft sind es Beleidigungen und Drohungen. „Mein Glaube hat mich dazu gebracht, einzuschreiten“, erklärt Bocoum lachend. „Ich weiß, dass ich sie damit nicht schlagen werde, aber ich versuche einfach, sie zur Vernunft zu bringen.“

Bocoum hat auch keine Angst vor einer Diskussion von Angesicht zu Angesicht. Vergangenes Jahr initiierte er ein Treffen mit Koufas Kämpfern. „Im letzten Moment verbot Koufa ihnen dann, zu kommen“, sagt Bocoum. Auch die Nichtregierungsorganisation International Crisis Group setzt sich dafür ein, den Dialog nicht nur im Internet zu führen. Die Regierung in Bamako lehnt Verhandlungen ab.

Markthändler Bocoum macht trotzdem weiter. Im März gründete er einen Verband von Predigern, die sich für den sozialen Frieden einsetzen. Ein Netzwerk von Wanderpredigern und Lehrern soll Kinder einen aufgeklärten Islam lehren und sie so immun gegen islamistische Propaganda machen. Der Verband will aber auch konkret helfen, indem er den Ärmsten Land zur Verfügung stellt.

Bocoum hofft, so das Vertrauen der Familien zu gewinnen in jenen Gegenden, die der Staat aufgegeben hat und in denen die Islamisten die einzige Alternative sind. „Der Vater muss mit seinem Sohn sprechen, der Onkel mit seinem Neffen, und sie überzeugen, nach Hause zu kommen und ihr Feld zu bestellen“, sagt Bocoum. (afp)

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