Bäume fällen für das Klima? Kontroverse Pläne zur Rettung des Planeten

Bill Gates investiert, um Wälder auszudünnen und Bäume zu vergraben – so soll CO₂ gebunden werden. Ein Ökologe hält dies für eine „spektakulär schlechte Idee“. Auch bei der Bekämpfung von Waldbränden ist diese Methode umstritten.
Bäume fällen für das Klima? Kontroverse Pläne zur Rettung des Planeten
Ein Wald in Arizona, USA, der teilweise gerodet ist.Foto: GEORGE FREY/AFP via Getty Images

Das Fällen von Bäumen zur Bekämpfung von Waldbränden ist nichts Neues, auch wenn es nach wie vor eine umstrittene Methode ist. Ebenso ist das Durchforsten – also das Ausdünnen der Bäume – ein kontroverses Verfahren, das ebenso viel Kritik wie Unterstützung hervorgerufen hat. Viele Wissenschaftler und Naturschützer sprechen sich dagegen aus und behaupten, dass das Durchforsten von Bäumen Waldbrände sogar fördern kann.

Gerade in Amerika werden die Wälder schon seit mehr als zwei Jahrzehnten zum Zwecke der Brandbekämpfung durchforstet. Jetzt mischen sich Klimaaktivisten mit dem Argument der „Kohlenstoffbindung“ in diese Diskussion ein.

Gates: Bäume pflanzen ist „völliger Unsinn“

Einer der Aktivisten ist Bill Gates, der Mitbegründer von Microsoft. Er hat bereits seine persönlichen und finanziellen Mittel eingesetzt, um das Abholzen und ebenso das Vergraben von Bäumen zu unterstützen. Das erklärte Ziel ist es, die Kohlenstoffemissionen zu senken.

Über seine Stiftung Breakthrough Energy Ventures ist Gates Teil des 6,6 Millionen US-Dollar (6.24 Millionen Euro) schweren Investorenpools. Dieser unterstützt das Unternehmen Kodama Systems bei seinem Vorhaben, Bäume in den brandgefährdeten Wäldern Kaliforniens zu fällen und sie in Nevada zu vergraben. So soll Kohlenstoffdioxid (CO₂) gebunden werden. „Wir müssen die Durchforstungsmaßnahmen drastisch beschleunigen“, erklärte das Unternehmen auf seiner Website. Kodama nennt sich selbst einen „technologiegesteuerten Waldrestaurierungsservice“.

Gates mischt sich immer wieder in die Klimadebatte ein. Schlagzeilen machte er etwa mit seinem Aufkauf riesiger Landstriche in den USA. Außergewöhnlich ist auch seine Unterstützung von außergewöhnlichen Experimenten wie Solar-Geoengineering bis hin zu seiner jüngsten Kritik an der Anpflanzung von Bäumen als praktikablem Mittel zur CO₂-Reduzierung.

Erst im September bezeichnete der Milliardär in einem Interview mit der „New York Times“ das Anpflanzen von Bäumen zur Abmilderung von Klimaproblemen als „völligen Unsinn“. Das könne die negativen Auswirkungen auf das Klima nicht umkehren. „Ich meine, sind wir die Wissenschaftler oder sind wir die Idioten?“, fragte Gates rhetorisch.

Klimaaktivisten wollen den Planeten retten – und Bäume fällen

Bill Gates im Juli 2023 in Sun Valley, Idaho. Foto: Kevin Dietsch/Getty Images

Bäume speichern CO₂

Kritiker weisen schnell auf die Logik der angeblichen Vorteile des Abholzens und Vergrabens von Bäumen hin. „Dies ist eine spektakulär schlechte und kontraproduktive Idee“, sagte Chad Hanson, Ökologe und Mitbegründer des John Muir Project, gegenüber The Epoch Times. Er ist der Ansicht, dass die bestehenden Wälder „bei Weitem unser bestes und effektivstes Mittel“ sind, um „überschüssiges CO₂ in unserer Atmosphäre“ zu reduzieren.

Darüber hinaus stellt die selektive Abholzung ein Risiko für alte Bäume dar. Laut Forschungen binden diese weitaus mehr Kohlenstoff in der Atmosphäre als ihre jüngeren Gegenstücke. Lebende Bäume speichern eine enorme Menge an atmosphärischem CO₂. Eine Schätzung beziffert den CO₂-Speicherwert der Wälder und Wiesen in den USA auf 866 Millionen Tonnen pro Jahr. Das entspricht den jährlichen Emissionen von 50 Millionen Benzin- oder Dieselfahrzeugen.

Einige Forschungsarbeiten stützen die Theorie, dass das Vergraben von Abfällen von gefällten Bäumen als eine Form der Kohlenstoffbindung funktionieren kann. Eine Studie von 2019 hat gezeigt, dass die Lagerung von Holzbiomasse jährlich Milliarden Tonnen CO₂ binden kann. „Bäume binden und speichern mit zunehmendem Alter immer mehr CO₂ – unabhängig davon, wie alt sie werden“, so Hanson. „Das Abholzen und Eingraben von Bäumen beseitigt ihre Fähigkeit, Kohlenstoff in der Atmosphäre zu reduzieren.“

Zu den behaupteten Vorteilen von Baumdurchforstungen und der Lagerung von Baumstämmen gibt es keine eingehenden Untersuchungen. „Die Forschung zur Nachhaltigkeit im Bereich der sozialen und ökologischen Auswirkungen der Kohlendioxidabscheidung ist noch nicht weit genug fortgeschritten“, heißt es in einer Studie.

Kodama weist darauf hin, dass eine CO₂-Bilanzierung entwickelt wird, nennt aber keine weiteren Einzelheiten. Auf eine Anfrage von The Epoch Times reagierte Kodama nicht.

Ältere Wälder unberührt lassen

Das Argument, alte Wälder und dichte Baumkronen stehenzulassen – ausschließlich zur CO₂-Speicherung –, wird von führenden Wissenschaftlern unterstützt.

William Moomaw ist Gründungsdirektor des Zentrums für internationale Umwelt- und Ressourcenpolitik an der Fletcher School of Law and Diplomacy der Tufts University in Boston. Er gehört zu den Befürwortern der Aufforstung, die sich für die Speicherung von CO₂ in der Atmosphäre einsetzen. Er befürwortet die Anpflanzung von Bäumen und plädiert dafür, ältere Wälder wegen ihrer besseren Kohlenstoffspeicherfähigkeit unberührt zu lassen.

„Das Wirksamste, was wir tun können, ist, den bereits gepflanzten und wachsenden Bäumen zu erlauben, weiter zu wachsen. So können sie ihr volles ökologisches Potenzial ausschöpfen und Kohlenstoffdioxid speichern“, sagte Moomaw 2019 in einem Interview mit „Yale Environment 360“. „Die bestehenden natürlichen Wälder wachsen zu lassen, ist für jedes Klimaziel, das wir haben, unerlässlich.“

Klimaaktivisten wollen den Planeten retten – und Bäume fällen

Ein Pinienhain, der in einer geraden Linie im US-Bundesstaat Georgia wächst. Foto: iStock

Senkt Abholzen das Brandrisiko …

Die Durchforstung hat auch eine fragwürdige Erfolgsbilanz beim Management von Waldbränden. Dennoch findet sie immer mehr Befürworter im öffentlichen und privaten Sektor.

Die US-Forstbehörde will diese Methode bis 2030 auf mehrere Millionen Hektar bewaldeter Flächen anwenden. „Wir schätzen, dass insgesamt 50 Millionen Hektar Wald in den USA mit gefährlichen Brennstoffen und Waldgesundheitsbehandlungen behandelt werden müssen, um die wachsende Waldbrandkrise zu bekämpfen.“ Das sagte John Winn, Sprecher des US Forest Service, gegenüber The Epoch Times. Er erklärte, dass 20 Millionen Hektar davon auf nationale Wälder und Grasland entfallen und 30 Millionen Hektar auf andere Gebiete.

Winn geht davon aus, dass einige Studien das Ausdünnen von Bäumen als ein Mittel zur Eindämmung von Waldbränden unterstützen. „Die Forschung der Forstverwaltung hat gezeigt, dass die Bäume durch die Überbelegung gestresst werden. Dadurch verschwinden oft feuerabhängige Arten, und es kann sich hochentzündlicher Brennstoff ansammeln, der buchstäblich zu Futter für massive Waldbrände wird“, schilderte er. „Deshalb ist die mechanische Durchforstung so wichtig für die Gesundheit der Wälder.“ Sie würde Wälder besser vor Bränden schützen. Laut Winn verändere das Durchforsten das Verhalten von Waldbränden und zerstöre weniger Bäume.

… oder erhöht es dieses?

Auf der anderen Seite der Debatte steht etwa Hanson. „Waldbrände werden in erster Linie durch das Wetter verursacht, insbesondere durch heiße, trockene und windige Bedingungen. Der größte Teil der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse besagt, dass dichte Wälder einen Puffer gegen extremes Sommerwetter bilden“, erklärte der Ökologe.

„Dichtere Wälder spenden mehr kühlenden Schatten, weil sie ein größeres Blätterdach haben, und höhere Baumdichten bilden einen Windschutz gegen die Böen, die die Flammen während eines Brandes antreiben.“ Die Durchforstung würde diesen Puffer untergraben. Sie führt zu „heißeren, trockeneren und windigeren Bedingungen, die die Flammen schneller und oft auch intensiver ausbreiten lässt“, sagte er. Dutzende wissenschaftliche Quellen und Hunderte Wissenschaftler würden diese Schlussfolgerungen untermauern.

Die langanhaltende Trockenheit und häufige, anhaltende starke Winde haben in den Wäldern Amerikas einen perfekten Brandherd geschaffen. Untersuchungen zeigen, dass die Waldbrände in den westlichen US-Bundesstaaten seit 1980 größer und heißer geworden sind, so eine im „International Journal of Wildland Fire“ veröffentlichte Studie. Hanson sagte, dass nicht weniger, sondern mehr Bäume benötigt werden, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

Klimaaktivisten wollen den Planeten retten – und Bäume fällen

Ein Tanklöschflugzeug wirft am 11. Juli 2021 in Oregon Löschmittel über dem Grandview Fire ab. Das Grandview-Feuer hatte sich auf fast 6.000 Hektar ausgebreitet, bevor die Feuerwehr es eindämmen konnte. Foto: Oregon Department of Forestry via Getty Images

Maßnahmen zur Rettung von Häusern und Leben

Hanson legte eine Liste von Waldbränden in den USA vor, von denen er glaubt, dass die Durchforstung diese Brände verschlimmert hat. „Leider gibt es viele Fälle, in denen die Durchforstung mit Bränden verbunden war. Diese haben sich schnell auf Städte ausgebreitet und schließlich zerstört“, sagte er. Er erwähnte insbesondere Brände in Kalifornien, darunter die Städte Paradise im Jahr 2018, Greenville und Grizzly Flats im Jahr 2021 sowie Berry Creek und Feather Falls im Jahr 2020. „Viele andere Städte [wurden] zerstört, als die Brände schnell und intensiv durch weite Gebiete fegten, in denen zuvor Durchforstungsmaßnahmen stattfanden. Angeblich sollten sie als Brandschneise dienen und die Stadt retten“, schilderte er.

Molvar stimmte dem zu. Als weiteres Beispiel dafür nannte er das tragische Jasper-Feuer in den Black Hills von South Dakota im Jahr 2000. „Das Jasper-Feuer […] brannte vollständig in einem Gebiet, das die Forstverwaltung stark durchforstet hatte. Dabei handelte es sich um Ponderosa-Kiefern, also um eine Baumart, bei der die Holzindustrie – vielleicht zu Recht – eine Durchforstung erwartet, um das Brandrisiko zu verringern“, teilte er mit.

Hanson und Molvar sind sich einig, dass es bessere Möglichkeiten gibt, die Schäden durch Waldbrände zu mindern, als mehr Bäume zu fällen. „Wir sollten uns stattdessen darauf konzentrieren, die Gemeinden dabei zu unterstützen, durch die Sanierung von Häusern und das Beschneiden der Vegetation im Umkreis von 30 Metern die Häuser brandsicher zu machen“, schlug Hanson vor. „Die Wissenschaft ist sich darüber im Klaren, dass diese Maßnahmen sehr effektiv sind, um Häuser und Leben zu retten.“

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Climate Activists Seek to Save the Planet by Cutting, Burying Trees“



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