Siemens-Vorstandsvorsitzender Klaus Kleinfeld. Die Schmiergeld-Affäre bringt die Konzernspitze in Bedrängnis. (AP Photo/Chritsof Stache)

Was lehrt uns Siemens?

Von 14. Dezember 2006 Aktualisiert: 14. Dezember 2006 0:25

Die aktuellen Zahlen zum Schmiergeldskandal bei Siemens überraschen. Es ist kaum vorstellbar, wie 420 Mio. Euro unerkannt über verdeckte Konten als Schmiergeld verwendet werden konnten. Die Öffentlichkeit und der Kapitalmarkt sind verunsichert und sehen ihre Vermutungen bestätigt, dass große Unternehmen nur schwer kontrollierbar sind und stets mit Überraschungen zu rechnen ist. Es werden schon die ersten Stimmen laut, die nach strengeren Gesetzen und Kontrollen zum Schutz vor unlauteren und kriminellen Praktiken verlangen.

Die Frage, die sich jedoch stellt ist, ob mehr Gesetze auch zu mehr Sicherheit führen. In den vergangenen Jahren sind gerade in Deutschland durch verschiedene Initiativen wie das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich oder den Corporate Governance Kodex die Kontrollen und Anforderungen zur Überwachung der Unternehmen verschärft worden. Die darin enthaltenen Maßnahmen stellen stets darauf ab, durch erhöhte Transparenz und doppelte Zuständigkeiten ein potentielles Fehlverhalten frühzeitig aufzudecken und auf diese Weise zu verhindern. Aufgrund der sich daraus ergebenden zusätzlichen Berichtspflichten und der komplexeren Entscheidungswege entstehen aber zusätzliche Kosten für die Unternehmen. Diese bestehen einerseits darin, dass zusätzliche Mitarbeiter – wenig produktiv – dafür eingesetzt werden müssen, um zusätzliche, für das operative Geschäft nicht notwendige Informationen aufzubereiten. Andererseits führen zusätzliche Kontrollen und komplexere Entscheidungswege dazu, dass Entscheidungen nicht zügig gefällt werden können, was gerade im dynamischen globalen Markt erforderlich ist. Gleichzeitig ist die Wirksamkeit solcher Maßnahmen und Kontrollen fraglich, denn diese können durch Menschen mit entsprechender krimineller Energie immer wieder umgangen werden und müssen dann durch neue Kontrollen erweitert werden.

Fehlverhalten in Unternehmen

Es stellt sich die Frage, welche alternativen Ansätze zur Vermeidung von Fehlverhalten in Unternehmen denkbar sind. Mehr Erfolg versprechend zur Vermeidung von Fehlverhalten in Unternehmen könnte vielleicht die Etablierung einer offenen und langfristig ausgerichteten Unternehmenskultur sein. Denn langfristig können nur diejenigen Mitarbeiter und Unternehmen erfolgreich sein, die unlautere und kriminelle Geschäftspraktiken vermeiden. Dazu gehört eben auch, dass für den langfristigen Unternehmenserfolg nicht nur das nächste Quartalsergebnis entscheidend ist, sondern auch, welche Kultur vorgelebt und im Unternehmen praktiziert wird. Und dazu gehört auch, dass Unternehmensanalysten und Anleger auch auf diese „weichen“ Faktoren für den Unternehmenserfolg achten. Die Offenheit und Ehrlichkeit mit der Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die Vorfälle kommentierte, geben Anlass zu der Hoffnung, dass hier die richtigen Weichen gestellt werden. Der Vorstandsvorsitzende bezeichnete die Vorfälle in ihrem Ausmaß als „erschütternd“ und machte damit deutlich, dass man die Probleme als solche anerkennt und bereit ist, sie wirklich anzugehen und zu lösen.



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