Mehr Salat in der Ostsee: Forscher entdecken zwanzig neue Algenarten

Bei der Untersuchung von 10.000 Kilometer Küste haben Forscher in der Ostsee zwanzig neue Arten von Meersalat (einer heimischen Grünalge) entdeckt. Der Bestand ist somit vielfältiger und größer als bisher bekannt – die Anwendungen auch.
Meersalat in der Ostsee
Schwedische Forscher entdecken zwanzig neue Arten von Meersalat im Ostseeraum.Foto: Sophie Steinhagen
Von 27. Juni 2023

Der in der Ostsee vorkommende Meersalat (Ulva lactuca) ist eine sich leicht vermehrende und schnell wachsende Grünalge, weshalb sie besonders für die Industrie von großem Interesse ist. Sowohl in Schweden als auch außerhalb Europas wird intensiv an ihrer Nutzung in der Lebensmittelindustrie und der Biochemie geforscht.

Bisher war der Forschungswelt nur eine Handvoll Arten der Grünalge bekannt. Um herauszufinden, wie viele Arten es noch gibt, begaben sich schwedische Forscher auf die Suche nach mehr Meersalat.

Invasive Arten identifiziert

„Durch Probenentnahme haben wir die biologische Vielfalt von Meersalat in der Ostsee, des Kattegats und des Skagerraks untersucht. Diese haben wir anschließend einer DNA-Analyse unterzogen. Wir haben zwanzig einzigartige Arten und Unterarten gefunden. Drei davon sind invasiv und gelangten auf verschiedenen Wegen hierher“, sagt Sophie Steinhagen, Forscherin am Tjärnö Marinelabor der Universität Göteborg.

Die Forscher fanden im schwedischen Teil der Ostsee auch völlig neue Arten von Meersalat, die Wissenschaftler bisher noch nicht beschrieben haben. Einige von ihnen scheinen ausschließlich in der Ostsee zu wachsen.

„Die Bedeutung dieser Untersuchung ist groß“, so die Forscher. So sei der Anbau von Meersalat als Nahrungsquelle zwar ein schnell wachsender Wirtschaftszweig, allerdings besteht die Gefahr, dass fremde Arten durch einfache Unkenntnis verbreitet werden. „Um wertvolle Ökosysteme an den Küsten zu erhalten und zu schützen, ist es wichtig zu wissen, welche Arten dort wachsen. – Und keine neuen Arten einzuführen, die die einheimischen Arten verdrängen könnten“, erklären die Forscher.

Richtige Arten am richtigen Ort anbauen

Die Methode zur Identifizierung von Grünalgen-Arten beruhe heute oft auf deren Aussehen. „Unsere Studie zeigt, dass diese Methode nicht ausreicht, um die Verteilung der verschiedenen Arten zu bestimmen. Wir waren nicht in der Lage, das wahre Ausmaß der biologischen Vielfalt zu erkennen“, so Steinhagen.

Die Bestandsaufnahme und Entdeckung vieler neuer Arten sei zudem eine wertvolle Information, wenn es um den küstennahen Anbau von Meersalat gehe. Besonders wichtig sei es, die richtigen Arten am richtigen Ort anzubauen. So könne das Risiko einer Beeinträchtigung der Vielfalt vermieden werden.

„Dieses neue Wissen ermöglicht es uns, Methoden zu entwickeln, um die einzigartigen Meersalatarten an einer bestimmten Küste zu erhalten. Unsere Untersuchung kann auch bei der Ausarbeitung von Vorschriften über invasive Arten helfen, die nicht in einer nachhaltigen Aquakultur verwendet werden sollten“, sagt Steinhagen.

Was ist Meeressalat?

Meersalat ist die bekannteste Art einer vielzelligen Grünalge der Gattung Ulva. Diese wächst am Rande des Wassers auf Klippen und Felsen in der gesamten Ostsee bis zum Bottnischen Meerbusen sowie an der Westküste Schwedens. 2015 kürte die Deutschen Botanische Gesellschaft den Meersalat zur Alge des Jahres.

Die Grünalge gilt wegen ihres relativ hohen Proteingehalts, den ungesättigten Fettsäuren und vielen Ballaststoffen als sehr gesund und nahrhaft. Außerdem enthält sie wertvolle biochemische Moleküle. In der asiatischen und polynesischen Esskultur ist Meersalat seit der Antike vorhanden und gilt dort als wertvolles, begehrtes Lebensmittel. Speziell die Japaner setzen die Alge gern als Geschmacksträger und Würzmittel ein.

Im Gegensatz dazu ist Meersalat in Europa und Amerika nur in bestimmten Regionen verbreitet, wie etwa in der Bretagne (Frankreich), in Irland, Island, Peru und Chile und wird heute oft mit Zeiten von Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot verbunden. Inzwischen wird die Alge immer häufiger in der Lebensmittelindustrie eingesetzt und gewinnt mit dem zunehmenden Vegan-Hype an Beliebtheit.

Weitere Anwendungsgebiete sind die Landwirtschaft, die Abwasserreinigung, die Energiegewinnung und die Verpackungsindustrie. Zum einen kann Meersalat überschüssige Nährstoffe aus Abwässern schnell aufnehmen, womit er sich als Biofilter eignet. Zum anderen forschen Wissenschaftler, wie viel Energie aus der Algen-Biomasse gewonnen werden kann und ob sich aus dem Meeresgrün Kunststoffe herstellen lassen.

Die Studie erschien im Juni 2023 in der Fachzeitschrift „Algal Research“.



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