Polizisten patrouillieren am 3. November 2020 an einer U-Bahn-Station in Wien.Foto: Getty Images | AFP | Alex Halada

Verharmloste Gefahr oder politischer Sandsack? Islamismus in Europa kehrt in die Medien zurück

Von 3. November 2020 Aktualisiert: 3. November 2020 10:30
Islamistisch motivierte Terroranschläge in Frankreich und Österreich bringen das Thema des Islamismus in Europa wieder zurück in die Medien. „Welt“ und „NZZ“ beklagen eine Verharmlosung des Problems, zu der auch die Linke beitragen.

Nimmt Europa die Gefahren, die ein radikaler und gewaltbereiter Islamismus mit sich bringt, auf die leichte Schulter – oder hat man diesen durch politische und ideologische Fehleinschätzungen selbst erst groß gemacht?

Die jüngsten Terrorakte durch radikale Islamisten in Frankreich und Österreich bringen auch im deutschsprachigen Raum das Thema, das wie viele andere in den Schatten der Corona-Krise gerückt war, wieder zurück in die Medien.

Linke mitschuldig an Verharmlosung

Kommentatoren der „Welt“ und der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) kritisieren eine weit verbreitete Gleichgültigkeit und Verharmlosung islamistischen Terrors und geben insbesondere der Linken eine Mitschuld an dessen vermeintlicher Normalisierung.

In der „Welt“ schreibt Johannes Boie, allein die Auflistung weltweiter islamistischer Terroranschläge seit dem 11. September 2001 mit mehr als zwölf Todesopfern erfordere vier eng bedruckte Zeitungsseiten. Seine Zeitung habe dies 2019 getan.

Auflistungen wie diese tragen zu der im Westen weit verbreiteten Überzeugung bei, dass die überwiegende Mehrheit aller Terroranschläge sowohl weltweit und in Europa islamistisch motiviert und stetig im Steigen begriffen ist. Vor allem Teile der Rechten nährten dieses Narrativ, wonach zwar „nicht alle Muslime Terroristen, aber fast alle Terroristen Muslime“ seien.

„Medien verharmlosen Morde als ‚Vorfälle‘“

Johannes Boie sieht demgegenüber in weiten Teilen des Westens bereits eine Schwierigkeit, überhaupt das Problem islamistischer Tendenzen zu beschreiben.

Aus Angst, Rechtsextreme in ihren Wahnvorstellungen zu bestärken, bezeichneten Medien bereits die Taten von Paris und Nizza selbst als „Vorfälle“ statt als Morde. Dabei würden die jüngst als Mörder in Erscheinung getretenen Extremisten von Paris und Nizza „nicht nur in Idlib gefeiert“, sondern auch direkt vor unserer Haustüre.

Dass jüngst mehr als 100 Muslime in Berlin unter „Allahu akbar“-Rufen gegen Mohammed-Karikaturen in Frankreich demonstriert hätten, sieht er ebenso als Manifestation einer Verharmlosung islamistischer Terrorakte wie „Stop Macron“-Kampagnen in sozialen Medien, Schimpftiraden türkischer Regierungsmitglieder gegen „Charlie Hebdo“ oder Massenmordfantasien des ehemaligen Premierministers von Malaysia, Mahathir bin Mohammad.

Im Unterschied zu Zensur- und Moderationsmaßnahmen gegen US-Präsident Donald Trump habe Twitter gegen Mahathir keine Maßnahmen gesetzt, der dort geschrieben hatte, Muslime hätten „das Recht, wütend zu sein und Millionen Franzosen zu ermorden, wegen der Massaker der Vergangenheit“. Facebook entfernte laut „Sydney Morning Herald“ den Beitrag. Mahathir erklärte dort auch, der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen. Tatsächlich habe er sich gegen Doppelstandards gewendet und wechselseitigen Respekt angemahnt.

Warum wird verharmlost?

Lucien Scherrer und Anna Schneider halten es in der „NZZ“ nicht nur für eine ungeliebte Folgeerscheinung, dass Teile der Linken den Islamismus verharmlosten, sondern für eine nachweisbare Tatsache. Die Frage sei „nicht, ob sie das tun, sondern, warum“.

Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron es gewagt habe, „dem Bösen einen Namen“ zu geben, nämlich den „politischen, radikalen Islamismus, der bis hin zum Terrorismus führt“, scheuten führende Politiker und Journalisten immer noch davor zurück. Bis hin zu Deutschlands Außenminister Heiko Maas, der in seinem Kondolenztweet für Samuel Paty das Wort „Islamismus“ vermieden habe.

In den letzten Jahren sei der „Drang zur Verharmlosung und Verdrängung“ der islamistischen Bedrohung derart groß geworden, dass sich „längst auch progressive Muslime, Juden, Homosexuelle, Feministinnen oder freidenkerische Linke zunehmend fragten, was da eigentlich mit dieser ehemals religionskritischen, emanzipatorischen Bewegung los ist“.

SPD-Politiker Kevin Kühnert und Linken-Chef Dietmar Bartsch hätten massive Defizite der Linken im Umgang mit Islamismus kritisiert. Kühnert bezeichnete den Islam als „wohl blindeste Fleck der politischen Linken“. Dietmar Bartsch warnte vor „falscher Scham“, die zur Relativierung von islamistischen Taten führe.

Dem hingegen sehen Scherrer und Schneider verzögerte Reaktionen linker Meinungsführerblätter in der Schweiz oder der „taz“-Beiträge, die behaupten, dass Macron das Problem aus politischen Gründen aufbausche. Die „WoZ“ habe sogar „Verständnis“ dafür gezeigt, dass die „Ausgegrenzten“ die Meinungsfreiheit in Frankreich als „Unterdrückungsinstrument“ wahrnähmen.

Jahrelanges Wegschauen ermöglichte Parallelgesellschaften

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Die „NZZ“-Autoren sprechen von einem „jahrelangen Wegschauen“, das „die Herausbildung einer islamistisch dominierten Parallelgesellschaft ermöglicht“ habe. In diesem Zusammenhang verweisen sie auf die Anfang des Jahres bekannt gewordene Studie des Soziologen Bernard Rougier.

Dieser zufolge seien an 150 Orten Frankreichs „Mikroterritorien“ entstanden, in denen Islamisten die Kontrolle ausübten. In solchen Zusammenhängen sei auch ein Konsens gewachsen, in dem die Ermordung des Lehrers Samuel Paty stillschweigend gebilligt werde.

Teile der Linken, so die „NZZ“-Autoren, hätten eine Ideologie des „Antiimperialismus“ kultiviert. Sie übertrügen die marxistische Lehre vom „Klassenkrieg“ der „Unterdrückten“ gegen die „Ausbeuter“ auf die Dritte Welt-Länder, die sich gegen die Unterdrückung durch westliche Länder auflehnen müssten.

Auf diese Weise sei es unmöglich, den fundamentalistischer Islam zu kritisieren. Stattdessen seien Islamisten zum Opfer „rassistischer“ Vorurteile vonseiten weißer europäischer „Unterdrücker“ geworden. Bei dieser Logik zählten jedoch schwarze Christen, die Kirchen besuchten, zu „strukturellen Weißen“, weil das Christentum eine „Religion der Unterdrücker“ sei.

Fängt Islamismus mit dem Kopftuch an?

Umdeutungen dieser Art erlaubten es Islamisten, Begriffe wie „White Privilege“ oder „White Supremacy“ für den Kampf gegen „westliche Werte“ zu instrumentalisieren. Dabei könnten sie auf eine Rückendeckung durch eine „identitäre Linke“ zählen.

„Nach dieser Logik verkommt jede Islamkritik zum Sakrileg, weil sie Muslime verletzen könnte“, klagen die „NZZ“-Autoren. „Schnell fällt der Kampfbegriff ‚Islamophobie‘, der legitime Religionskritik absichtlich mit dem Hass auf Muslime vermischt. Eine Debatte wird so jedenfalls verunmöglicht, die Menschenrechte des Westens als eurozentristisch abgetan.“

„Teil des Problems“ seien laut Anwältin Seyran Ates auch, dass Teile der SPD und der Grünen, die einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts Rechnung tragen wollten, ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen in Berlin als verfassungswidrig eingestuft hatten. Damit, so Ates, kämpften sie „für ein religiöses Symbol, dessen sich auch der politische Islam bediene“.

Kepel: Islamismus verliert unter Muslimen an Terrain

Dass die Ausbreitung von islamistischen Enklaven tatsächlich ein Problem darstellt, dazu äußerte sich Islamwissenschaftler Gilles Kepel bereits vor einem Jahr in der „NZZ“: „Mittels solcher Enklaven, die im Widerspruch zu den Werten der Gesellschaft des Gastlandes stehen, und mit Attentaten auf Zivilisten und zivile Einrichtungen soll eine Fragmentierung der westlichen Gesellschaft provoziert werden. Auf diese Weise wollen Extremisten heftige Reaktionen bei Anhängern der extremen Rechten hervorrufen, einen Bürgerkrieg auslösen und so Europa von innen heraus zerstören.“

Die muslimische Bevölkerung insgesamt unter Generalverdacht zu stellen, halte er jedoch unangebracht. Im Gegenteil: Es geschehe in den muslimischen Communitys selbst, dass sich Gläubige gegen die aggressiven Vorstellungen der Salafisten richteten.

Hoffnung für sieht er in dem Werk ‚Der Koran der Historiker‘. Es umfasst mehrere tausend Seiten und analysiert als erstes in der Geschichte den Kontext, in dem der Koran entstanden ist, und die Zivilisation, aus der Mohammed hervorgegangen ist.

Eine solche Kontextualisierung könne nach Ansicht von Kepel dabei helfen, die Verständnisse über den Koran so zu verändern, dass Muslime „nicht automatisch zur Geisel der hasserfüllten Salafisten werden. Diese Entwicklung ist von außerordentlicher Bedeutung.“

Lechner („Wiener Zeitung“): Europas Islam-Bild ist selbstbezogen

Auch der außenpolitische Redakteur der „Wiener Zeitung“, Gerhard Lechner, übt Kritik an einer europäischen Politik gegenüber dem Islam, die empathielos, ausschließlich auf eigene Befindlichkeiten gestützt sei und sich in Extremen ergehe. Auf Facebook schreibt er:

„… Mit dem Islam resakralisiert sich – Überraschung! – die Gesellschaft. Wer konnte damit rechnen! Und die islamischen Traditionen sind noch dazu gänzlich andere als die so verpönten, ‚mittelalterlichen‘ (so schlimm war das Mittelalter jetzt auch wieder nicht) abendländisch-europäischen. Wer bis drei zählen kann, wusste immer schon: Zwischen einer Gesellschaft, bei deren Eliten Gender Mainstreaming, Frauen- und Homosexuellenrechte, das Recht auf Abtreibung und eine unbestimmte Toleranz-und-bunte-Welt-Harmonievorstellung den alten Glauben längst ersetzt hat, und den islamischen Vorstellungen, wie eine Gesellschaft auszusehen hat, gibt es keinen Kompromiss. Mir wäre auch noch nicht aufgefallen, dass islamische Gesellschaften sonderlich judenfreundlich wären.

Dennoch setzen sich Linke für die Einwanderung von Muslimen, eigentlich ihre härtesten Gegner, ein. Warum? Aus Hass auf die eigenen Traditionen, aus Schuldkomplexen aufgrund der Verbrechen ihrer Vorfahren, sei es Holocaust oder Kolonialismus, und – besonders in protestantisch geprägten Ländern wie Schweden, die eigentlich gar keinen Grund dafür hätten – aufgrund eines säkularisierten Moralismus als Erbe des Protestantismus (der dem Islam eher fehlt). Aus der Vorstellung heraus, dass es der „Dritten Welt“ nur deshalb so schlecht geht, weil’s uns so gut geht. Und so weiter.

Die Lösung a la Charlie Hebdo besteht dann offensichtlich darin, zunächst möglichst viele Muslime aufnehmen zu wollen – und ihnen dann mit der Faust ins Gesicht zu fahren. Toller Plan. Funktioniert, wie man sieht, todsicher.

Da wäre mir lieber, um im Bild des ‚offenen Bürgers‘ zu bleiben, dass man nicht gleich in dieselbe Wohnung zieht. Dass man die Traditionen und Bräuche des Nachbarn kennenlernt und akzeptiert (oder auch nicht) – und ihn jedenfalls nicht sinnlos provoziert. Dass man nicht versucht, ihn zu missionieren. Dass man sich aber auch nicht missionieren lässt. Dass man zum Eigenen steht, zur eigenen Herkunft und Kultur, und zu ihr ein weniger neurotisches Verhältnis entwickelt.“

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