Zeit oder CO₂ sparen? Auswärtiges Amt entschied sich für „Leerflug“

Das Auswärtige Amt hat im August 2022 lieber ein paar Tausend Liter Kerosin geopfert, als Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ein paar Stunden in Dänemark warten zu lassen.
Annalena Baerbock verlässt den  A321LR der Flugbereitschaft auf dem Flugplatz in Dschidda.
Archivfoto: Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) verlässt einen A321LR der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums.Foto: Michael Kappeler/dpa
Von 30. Januar 2024

Weil sie im August 2022 keine drei Stunden in Kopenhagen auf ihren Flug nach Berlin warten wollte, hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) eine zweite Crew anfordern lassen – und von der Flugbereitschaft der Bundeswehr auch zur Verfügung gestellt bekommen. Die Kosten trägt der Steuerzahler. Die Angelegenheit war erst am Wochenende von der „Bild“ aufgedeckt worden.

Wie das Boulevardblatt berichtete, war Baerbock zunächst am 25. August 2022, einem Donnerstag, von einem Marokko-Besuch „im Regierungs-Airbus A-340“ zu ihrem nächsten Termin in die dänische Hauptstadt nach Kopenhagen geflogen. Die Landung sei „mitten in der Nacht“ zum Freitag erfolgt.

Pflichtprogramm war früher beendet – Extraflieger musste her

Am nächsten Tag die Überraschung: Der letzte Tagesordnungspunkt des Dänemark-Trips war nach Angaben der „Bild“ kurzfristig abgesagt worden, sodass Baerbocks Pflichtprogramm vor Ort schon am Nachmittag beendet war – knapp drei Stunden früher als erwartet. Der Heimflug nach Berlin sei ursprünglich erst für 18:20 Uhr geplant gewesen. Einfach früher losdüsen sei aber nicht möglich gewesen, denn die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit der Piloten sei noch nicht erfüllt gewesen. Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums habe diesbezüglich Bedenken geäußert, als das Auswärtige Amt den Wunsch angemeldet habe, schon gegen 15:30 Uhr abzuheben.

Daraufhin sei in Köln-Wahn eine zweite Regierungsmaschine in Richtung Kopenhagen gestartet. An Bord: eine einsatzbereite Ersatzcrew. Kaum gelandet, habe sich Baerbock von ihr sogleich im gewohnten A-340 nach Berlin fliegen lassen. Das Lufttaxi der Crew sei wieder „leer nach Köln zurück“ geflogen. Zweimal 645 Kilometer habe das Hilfsflugzeug zurückgelegt, damit die Außenministerin nicht länger als unbedingt nötig in Dänemark bleiben musste.

„Die Flugbereitschaft stellte sicher, dass die Delegation rechtzeitig für Anschlusstermine der Ministerin nach Berlin zurückkehren konnte“, zitiert die „Bild“ die Erklärung des Außenministeriums. Bei diesen Anschlussterminen habe es sich unter anderem um „ein regierungsinternes Telefonat und eine parteiinterne Videokonferenz“ gehandelt.

Genaue Daten über Typ und Kerosinverbrauch unklar

Auf Anfrage der Epoch Times bestätigte ein Sprecher der Luftwaffe, dass eine „zweite Crew mit einem ohnehin verkehrenden Luftfahrzeug der Flugbereitschaft nach Kopenhagen geflogen“ sei. Das „Routing für einen an diesem Tag geplanten Flug nach Kanada“ sei dafür „leicht angepasst“ worden.

Zum eingesetzten Flugzeugtyp, zum Kerosinverbrauch oder zum zusätzlichen CO₂-Ausstoß könne er keine „belastbaren Daten“ nennen, weil diese „abhängig von der Beladung, den Wetterverhältnissen und weiteren Rahmenbedingungen“ seien. Auch über die Flugzeit liege dem Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe nichts vor.

Vom Auswärtigen Amt waren bis zum Redaktionsschluss keine näheren Auskünfte zu bekommen.

Schätzung: Knapp 14 Tonnen zusätzliches CO₂?

Um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, machen wir – ohne Anspruch auf Korrektheit oder Vollständigkeit – also eine grobe Überschlagsrechnung auf. Gesetzt den Fall, dass ein moderner Luftwaffen-Airbus vom Typ A321 NEO zum Einsatz gekommen wäre und die Triebwerke für den Hin- und Rückflug Köln-Kopenhagen jeweils eine Stunde gelaufen wären, so wären nach Verbrauchsangaben der Bundeswehr-Flugbereitschaft etwa 4.400 Kilogramm Kerosin verflogen worden. Da ein verbrannter Liter Kerosin laut „Atmosfair.de“ (PDF-Datei) stets genau 3,16 Kilogramm CO₂ erzeugt, ließe sich theoretisch ein zusätzlicher Kohlendioxidausstoß von 13,9 Tonnen errechnen.

Nach Angaben des „Helmholtz-Instituts“ verursacht ein verbrannter Liter Diesel 2,65 Kilogramm CO₂, ein Liter Benzin 2,37 Kilogramm. Um auf die gleiche Menge an Kohlendioxid zu kommen wie im Beispiel-Szenario, könnte ein Diesel-Pkw, der durchschnittlich sechs Liter auf 100 km verbraucht, eine Strecke von mehr als 87.000 km zurücklegen. Ein Benziner mit acht Litern Verbrauch würde immerhin noch gut 73.000 km weit kommen. Also beinahe zweimal rund um die Erde.

Nach Angaben des Portals „Fortomorrow.eu“ stößt jeder Einwohner Deutschlands für seinen Konsum und Energiebedarf jährlich im Schnitt 9,18 Tonnen Kohlendioxid aus – knapp 25 Kilogramm pro Tag. Der Löwenanteil gehe auf den Einsatz von Braun- und Steinkohle zur Stromerzeugung zurück. Flugreisen machten durchschnittlich 580 Kilogramm pro Kopf und Jahr aus. Zum Vergleich: In Saudi-Arabien liege die CO₂-Emission pro Kopf und Jahr bei 18,6 Tonnen, in China bei 8,1 Tonnen, im Atomkraftland Frankreich bei 5,0 Tonnen.

Steilvorlage für die Union

Laut „Bild“ ließ die Kritik aus den Reihen der Union nach Bekanntwerden des „Bild“-Artikels nicht lange auf sich warten. „Das nächste Mal sollte die Ministerin ein paar Akten oder ein Buch übers Völkerrecht lesen und auf ihren planmäßigen Rückflug warten“, kommentierte etwa der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (CDU).

CSU-Generalsekretär Martin Huber habe ebenfalls kritisiert, dass ausgerechnet eine „grüne“ Ministerin so gehandelt habe: „Typisch grüne Doppelmoral: Steuern für Flugtickets erhöhen, Klimaschutz predigen und dann die Flugbereitschaft für den persönlichen Komfort ausreizen. Das geht gar nicht.“

Gute Vorsätze kaum erfüllt

Nach Angaben von „t-online“ stehe das Auswärtige Amt auf dem Standpunkt, dass es „bei der intensiven Taktung der Reisen und Termine der Außenministerin […] immer wieder zu Änderungen und Programmverzögerungen kommen“ könne. Im Einklang mit dem Vorsatz Baerbocks, möglichst oft auf Regierungsmaschinen zu verzichten, prüfe das Auswärtige Amt „vor jeder Reise Alternativen zur Flugbereitschaft, wie etwa die Nutzung von Zügen oder Linienflügen“. Doch das klappe in der Praxis „nur selten“.

„T-online“ zufolge hatte Baerbock in ihrem „ersten Amtsjahr bis Ende 2022 […] bei über hundert Strecken nur vier mit Linienflügen zurückgelegt, nur zwei mit der Bahn“. 2023 habe sie ebenfalls mehr als 100 Destinationen angeflogen, es aber dabei nur auf zwei Linienflüge gebracht. „Drei weitere Reisen absolvierte sie in Teilabschnitten per Zug“, ergänzt das Nachrichtenportal.

Für ihre „einwöchige Dialogreise durch Deutschland“ im Juli 2023 habe die Außenministerin allerdings auf Busfahrerdienste zurückgegriffen. Für jede Dienstreise der gesamten Bundesregierung zahle die Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt einen finanziellen Ausgleich – abermals aus Steuermitteln.

Unterwegs immer wieder Pech und Pannen

Erst vor wenigen Tagen musste Annalena Baerbock erneut einen ungeplanten Flug-Zwischenstopp einlegen. Wegen einer fehlenden Überfluggenehmigung für Eritrea drehte ihr Airbus 321 am 24. Januar 2024 auf dem Weg von Berlin ins ostafrikanische Dschibuti gegen 14:00 Uhr deutscher Zeit ab, um im saudi-arabischen Dschidda zu landen. In den Monaten zuvor hatten mehrere Flugzeugpannen, tonnenweise abgelassenes Kerosin und ein Leerflug durch die USA für viel Kritik gesorgt.

Als Baerbock mitten im Bundestagswahlkampf 2021 noch als mögliche Kanzlerin gehandelt worden war, kündigte sie eine Verteuerung von Flugreisen an – für mehr „Klimaschutz“. Auf Kurzstreckenflüge könne man ohnehin verzichten, meinte die heutige Chefdiplomatin der Bundesrepublik Deutschland damals.

Ein Leben im Regierungsflieger

Wie die „Bild“ bereits Mitte Februar 2023 berichtet hatte, gehört Annalena Baerbock zu den Vielfliegern im Regierungskabinett – kein Wunder bei ihrem Aufgabenfeld. Innerhalb der ersten rund 14 Monate ihrer Amtszeit habe Baerbock 67 Mal die Flugbereitschaft der Bundeswehr in Anspruch genommen. Das habe „5.000 Tonnen CO₂ und Kosten von rund 7,6 Millionen Euro“ verursacht. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck habe 32 Flüge zum Preis von 3,2 Millionen Euro absolviert und dabei „fast 1.900 Tonnen CO₂“ emittiert.

Die fünf SPD-geführten Ministerien – ohne Kanzler Olaf Scholz – hätten durch ihre Flüge insgesamt rund 2.900 Tonnen CO₂ in die Luft geblasen. Die FDP „nur“ etwa 1.300 Tonnen.

Bundeskanzler Scholz habe bis dahin alle anderen deutschen Spitzenpolitiker übertroffen: „Die größte CO₂-Schleuder der Regierung“ („Bild“-Jargon) sei der Regierungschef: „Das Kanzleramt unternahm 114 Flüge, bei denen fast 7.200 Tonnen CO₂ ausgestoßen wurden. Kosten: mehr als 11,2 Millionen Euro“.

Summa summarum hätten sämtliche Bundesminister des Kabinetts Scholz bis Ende Januar 2023 exakt 364 Flüge absolviert, dabei 18.415 Tonnen CO₂ ausgestoßen und über 28 Millionen Euro Steuergeld verbraucht.



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