Bill Gates finanzierte Bildungskatastrophe in den USA: Ein einzig auf Kontrolle, Konformismus und Normerfüllung ausgerichtetes Schulsystem

Von 5. December 2018 Aktualisiert: 8. Dezember 2018 19:29
Die öffentlichen Schulen der USA erleben acht Jahre nach Einführung des Common-Core Einheits-Bildungsplans eine Bildungskatastrophe: Nur noch 40 Prozent der Schulabgänger schaffen die Aufnahmetests für das College im Bereich der Mathematik, im internationalen Vergleich der Schulsysteme liegen die Amerikaner nur noch auf Platz 16.

Während in Deutschland die Debatte um die Aufhebung des Kooperationsgebots für den Bildungsbereich und die Einführung eines Zentralabiturs erst am Anfang steht, haben die USA mittlerweile über fast zehn Jahre Erfahrungen mit dem sogenannten „Common Core“-Programm sammeln können.

Bei diesem handelt es sich um eine 2010 lancierte Initiative, an deren Konzeption und Umsetzung sich unter anderem die Gouverneursvereinigung (NGA), der Rat der staatlichen Schulbehörden (CCSSO) oder die Stiftung von Bill und Melinda Gates logistisch und finanziell beteiligen. Das Ziel von „Common Core“ ist es, in den gesamten USA an allen staatlichen Schulen einheitliche Bildungsstandards zu schaffen. Die bisherigen Konzepte beziehen sich auf Standards in der englischen Sprache und in Mathematik.

Die Konzepte sollen die Kenntnisse von Schulabgängern, die sich an Hochschulen einschreiben oder weiterführende Kurse zur Vorbereitung auf die Berufstätigkeit belegen wollen, berechenbarer machen. Staaten, die sie einführen, konnten auf üppige finanzielle Zuwendungen zählen. Bislang haben 42 der 50 US-Bundesstaaten die Common-Core-Standards auf Bundesstaatsebene eingeführt, Minnesota nur jene im Sprachunterricht, Oklahoma, Texas, Virginia, Alaska, Nebraska, Indiana und South Carolina keine davon.

Schlechteste Resultate seit 2004

Die im Oktober veröffentlichten Ergebnisse des 1959 erstmals durchgeführten jährlichen College-Eignungstests ACT weisen das Projekt Common Core nicht als Erfolgsprojekt aus. Vielmehr, so schreibt Paula Bolyard in PJ Media, seien die Ergebnisse von High-School-Abgängern im Fach Mathematik die schlechtesten seit 2004.

Nur noch 40 Prozent der Teilnehmer hätten die Benchmark erreicht, während es 2012 noch 46 Prozent gewesen wären. Im Schnitt haben die Schulabgänger 20,5 von 36 möglichen Punkten erreicht – 2012 waren es noch 21,1.

Auch im Fach Englisch sei der Anteil der Schüler, welche die Anforderungen erfüllen, von 64 Prozent vor drei Jahren auf 60 zurückgegangen. Die Qualifikation in den Bereichen Lesen (46 Prozent) und Naturwissenschaften (36 Prozent) seien auf einem seit Jahren stagnierenden Level geblieben.

Die ACT-Standards definieren sich nach den Erwartungen, die im ersten College-Jahr an die Schüler gestellt werden. Sie werden alle drei bis vier Jahre angepasst. Strenger sind sie über die Jahrzehnte hinweg eher nicht geworden. Alternativ zum ACT gibt es noch den älteren SAT-Test, den College-Bewerber bestehen müssen, um Hochschulen besuchen zu dürfen.

Auch international haben die USA an Boden verloren und stehen mittlerweile in der Wertung des World Top 20 Projekts, das im Kern an den PISA-Standards orientiert ist, nur noch auf Platz 16 der weltbesten Bildungssysteme. An der Spitze steht weiterhin Südkorea vor Japan und der Russischen Föderation. Bestplatziertes (Noch-)EU-Land ist Großbritannien auf Platz 6 hinter Hongkong und der Volksrepublik China bzw. vor Singapur. Die Plätze 8 bis 10 belegen Finnland, Dänemark und Israel. Deutschland ist nicht unter den Top 20.

„Rechtlich nicht bindend, aber verpflichtend“?

Paula Bolyard sieht Kritiker bestätigt, die von Beginn an gesagt hatten, Common Core würde einen tiefgreifenden Bildungsverfall nach sich ziehen. Bundesstaaten, die den Standard angenommen hatten, nahmen den lokalen Schulbehörden damit Verantwortung und die Gestaltungsfreiheit dahingehend aus der Hand, was Kinder im Unterricht lernen sollen. Erst wenn die umfangreiche Liste der von Common Core vorgeschriebenen Inhalte abgearbeitet worden wäre, würde den lokalen Verantwortlichen ein Rest an Flexibilität in der Bildungsgestaltung verbleiben.

Zwar hieß es vonseiten der Befürworter des Common-Core-Projekts, der Zentralstaat würde keinen Einfluss auf lokale Entscheidungen nehmen und die lokale Kontrolle über die Lehrpläne sei sichergestellt. De facto war Common Core sozusagen „rechtlich nicht bindend, aber politisch verpflichtend“.

Das Ziel, möglichst viele Schüler durch die standardisierten Tests zu bringen, überschattete bald alle anderen Vorhaben. Wie Paula Bolyard bereits 2015 gewarnt hatte, gaben die Tests den Unterrichtsinhalt vor. Sie schrieb:

Die Common-Core-Standards werden bald zu einer von oben nach unten vorgegebenen Bildung von der Stange führen, mit kaum verbleibenden Möglichkeiten für individuelle Wahl oder Innovationen auf Staatsebene – denn am Ende müssen alle Kinder den gleichen Test bestehen. Je stärker Common Core auf Bezirksebene und landesweit in Klassenzimmern Wurzeln schlägt, werden lokale Kontrolle und Innovationen auf Bundesstaatsebene abgeschafft, während Schulen sich in die Richtung eines zentral dirigierten Ansatzes für Bildung bewegen, der von Beamten im Bildungsministerium kontrolliert wird.“

Nur auf Bill Gates‘ Brieftasche gehört

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Andy Thompson, der den 95. Bezirk im Repräsentantenhaus von Ohio vertritt, will zwar die von ihm von Beginn an abgelehnten Common-Core-Standards nicht als alleinigen, aber als wesentlichen Grund für den Niedergang der schulischen Leistungen bewerten:

Ich denke, unsere Erfahrungen aus unseren Versuchen, Common Core zu beseitigen, zeigen, dass die Verdummung des Lehrplans, die Indoktrination im Sinne der ‚sozialen Gerechtigkeit‘, die Betonung des sozial-emotionalen Lernens, die Reduktion von Quantität und Qualität des Lesens und das Vernachlässigen der Bildung im Klassenzimmer zugunsten des Bildschirms entscheidend sind. Auch die Fähigkeit, richtig zu rechnen, ist zerstört worden, weil man Indoktrination für wichtiger zu halten begann als Bildung.“

Die Gesetzgeber hätten mehr auf Bill Gates‘ Brieftasche gehört als auf besorgte Eltern, Lehrer und Politiker vor Ort.

Kritiker warnen im Zusammenhang mit Common Core vor einem Effekt, den bereits John Taylor Gatto in seinem Buch „Dumbing us down“ (dt. „Verdummt noch mal“) skizziert hat: Ein einzig auf Kontrolle, Konformismus und Normerfüllung ausgerichtetes System inspiriert nicht mehr zum Lernen, die Schüler erleben Wissen und Lektüre nicht mehr in der Tiefe, sie hinterfragen nicht mehr und überschreiten Grenzen – im Gegenteil: Sogar das Rechnen am Computer wird zur Herausforderung.

Ideologen und Pharmariesen als Gewinner

Die Zeit, die nicht mehr für qualitatives Lernen und Hinterfragen aufgewendet wird, wird stattdessen mit Propaganda des Staates oder Interessensvereinigungen aufgefüllt, unter anderem für „sozial gerechte“ Initiativen ohne Bezug zu Common Sense und Realität – die früher hinterfragt worden wären. Für freies Denken und Individualität bleibt im Reich des Common Core jedoch nicht mehr viel Platz.

Stattdessen profitiert die Pharmaindustrie von Kindern, die es nicht schaffen, sich in das uniformisierende staatliche Schulsystem einzufügen. Mehr als acht Millionen Kinder in den USA nehmen mindestens ein Medikament, das von einem Facharzt für psychische Erkrankungen verschrieben werden muss. ADHS ist dabei eine häufige Diagnose, ebenso wie Autismus oder Lernschwächen. Auch andere Faktoren wie Ernährung oder fehlende körperliche Auslastung können bestehende Probleme verschärfen, die einem Bildungserfolg im Wege stehen. Unterm Strich macht das öffentliche Schulsystem jedoch offenbar immer mehr Kinder kaputt, ohne auch nur frühere Leistungsstandards wenigstens halten zu können.

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