Hohe Kapazität, weniger Corona-Tests – Labore klären auf und warnen vor Antikörper-Schnelltests

Vor drei Wochen ging die Anzahl der Corona-Tests plötzlich zurück. Erst wurden 40.000 Tests pro Woche weniger durchgeführt, dann in der darauf folgenden Woche nochmals 26.000 Tests weniger. Dabei sollten doch die Kapazitäten erhöht werden. Der Verein „Akkreditierte Labore in der Medizin, ALM e.V.“ erklärte, was es damit auf sich hat.

Die Zahlen, Daten und Fakten gleich vorneweg: 291.607 PCR-Tests und über 55.000 Antikörper-Tests wurden in Deutschland durch 116 Labore an die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) in der vergangenen 17. Kalenderwoche gemeldet. Von den PCR-Tests, bei denen durch Abstriche auf SARS-CoV-2 getestet wird, waren 14.815 Tests positiv. Bei den Antikörper-Tests durch Blutuntersuchungen wurden 4.600 Infizierte ermittelt. Darüber informierten ALM-Vertreter in ihrer Pressekonferenz am 28. April.

Insgesamt ist nach zwei Wochen Test-Rückgang wieder eine stärkere Inanspruchnahme der Labore bezüglich der Corona-Tests zu bemerken. Waren es in den Wochen zuvor jeweils rund 40.000 und 26.000 Tests weniger, kamen nur im Vergleich zur Vorwoche wieder 23.000 PCR-Tests hinzu. Die Anzahl der Tests zu Beginn der Zeit der einschränkenden Corona-Maßnahmen, bei dem nahezu 320.000 Tests in der Woche durchgeführt wurden, wurden jedoch noch nicht erreicht.

Bei den Antikörper-Tests hingegen steigt die Anzahl der durchgeführten Tests kontinuierlich an. Hier ergibt sich folgendes Bild:

Auch die Testkapazität pro Woche stieg abermals an – auf rund 700.000 Tests in den teilnehmenden Laboren. Insgesamt wurden seit Anfang März rund 1,95 Millionen SARS-CoV-2-PCR-Tests durchgeführt.

Den Rückgang der Tests in den vergangenen zwei Wochen erklärte Evangelos Kotsopoulos, Vorstand im ALM e.V., unter anderem durch die Osterzeit. Zudem sei das Wetter in den vergangenen Wochen sehr schön gewesen. „Es ist schlicht weniger Testung angefordert worden“, stellte er fest.

Mehr Testkapazität

In Abstimmung mit der Politik haben die Labore mit erheblichem Kostenaufwand ihre Kapazitäten ausgebaut. Und zwar nicht, um eine bestimmte Testanzahl abzurufen, sondern um diese im Notfall bereitstellen zu können. In sechs oder zwölf Monaten könne es sein, dass man feststelle, „überreagiert“ zu haben. Aber das sei besser, als nicht vorbereitet zu sein. Der ALM-Vorstand ergänzte:

Wenn jetzt die Teststrategie auf bestimmte Risikogruppen ausgeweitet werden sollte – möglicherweise auch auf solche ohne Symptome, wie im aktuellen Entwurf für das zweite Bevölkerungsschutzgesetz vorgesehen – dann können die fachärztlichen Labore dafür große Kapazitäten bereitstellen.“

Dr. Michael Müller, erster Vorstand des ALM e.V., bekräftigte: „Damit stellen wir bei wieder steigenden Testzahlen die Versorgung mit COVID-19-Diagnostik aus dem Labor zur Verfügung.“ Schließlich könne man nicht vorhersehen, wie die Situation sich in einigen Wochen gestalte. Im März habe man „wenige Tage Sicht“, also sehr wenig Kapazitäten gehabt. Inzwischen habe die Diagnostika-Industrie ihre Kapazitäten hochgefahren und könne weltweit ausliefern. Generell gebe es genügend Tests. Falls doch einmal Reagenzien fehlen sollten, handele es sich eher um Einzelfälle.

Starker Diagnostik-Rückgang außerhalb von COVID-19

Bedenklich stimmt die Laborvereinigung, dass die angeforderte Diagnostik außerhalb von COVID-19 weiterhin zurückgehe.

Professor Jan Müller führte aus, dass sich weniger Menschen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall in medizinische Betreuung begeben. Für eine gewisse Zeit sei es kein Problem, einen Arztbesuch aufzuschieben. Aber dadurch sei die Erkrankung nicht verschwunden. Bei Diabetes, Krebs oder Herzinfarkt könnten versäumte Behandlungen dramatische Folgen nach sich ziehen.

Antikörper-Tests zeigen keine Immunität

Antikörper-Tests seien laut ALM ein „Puzzleteil“, das Aufschlüsse für Infektionsketten geben solle. In der Akutphase einer Erkrankung dürften diese jedoch – schon allein während der 14 Tage Inkubationszeit – keine Rolle spielen. Mit zunehmender Erfahrung mit den derartigen Tests könne man „irgendwann“ eine Aussage zur Durchseuchung der Bevölkerung treffen.

Aktuell könne eine Immunität mit den Antikörper-Tests nicht bestimmt werden. Selbst wenn ein Test Antikörper nachweise, solle sich der Betroffene weiterhin an die von der Regierung vorgeschriebene Maßnahmen halten.

Die Auswirkungen der erheblichen Qualitätsunterschiede von Antikörper-Tests zeigte Dr. Christian Scholz anhand eines einfachen Rechenbeispiels: Wenn ein Test eine 99,3-prozentige Trefferquote ausweise, könne man aufgrund des Wertes auf eine hohe Qualität hinweisen. Allerdings seien demnach sieben von 1000 Menschen falsch getestet worden. Hochgerechnet auf 83 Millionen Einwohner in Deutschland ist der Unterschied dann sehr gravierend.

Bezüglich der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der vergangenen Woche kritisierten Antikörper-Tests, die kein Hinweis auf eine Immunität darstellen, erklärte Professor Jan Kramer: Damit habe die WHO davon abgeraten, Schnelltests, auch nicht zertifizierte Tests einzusetzen. Bereits jetzt könne man in Apotheken Schnelltests erhalten. Dabei werde ein Blutstropfen, mit dem eine Testvorlage präpariert werde, eingeschickt. „Davor warnen wir ganz ausdrücklich“, betonte Kotsopoulos und verwies auf Millionen minderwertiger Tests, die in Großbritannien und Spanien entsorgt werden mussten. Zudem sei es bedenklich, wenn Blutproben mit eventuellem Erreger per Post verschickt werden – ohne spezielle Sicherheitsvorkehrungen.

Forderung nach Schutzschirm für Labore

Doch je umfassender die Labore gemeinsam mit der Ärzteschaft, den Kliniken und den Krisenstäben in Bund und Ländern die Versorgung gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sicherstellen, desto dringender benötigen sie ebenso wie die Krankenhäuser einen funktionierenden Rettungsschirm.

Zwar sehe das sogenannte COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz einen Rettungsschirm für Kliniken und Praxen vor, doch sei nicht klar, wo dieser für die Praxen in der ambulanten Versorgung konkret „aufgespannt“ sein werde. Die Regelungen für die fachärztlichen Labore seien nicht klar und eindeutig umrissen, so Dr. Michael Müller:

Der Rettungsschirm in seiner heutigen Ausgestaltung ist für die fachärztlichen Labore nicht so verlässlich und planbar strukturiert, dass die Labore auch die von der Politik zugesagte Ausfallabsicherung für durch die Pandemie bedingten Fallzahlausfälle erhalten.“

Darüber hinaus sind die Mitglieder des ALM e.V. erstaunt über Äußerungen, wonach zusätzlich zu Mitteln aus dem Rettungsschirm angeblich kein Kurzarbeitergeld beantragt werden könne. Eine fachliche Weisung der Bundesagentur für Arbeit sähe vor, dass Praxen und Kliniken, die vom Schutzschirm profitieren, nicht gleichzeitig Kurzarbeitergeld beantragen können. „Das Kurzarbeitergeld deckt in Unternehmen, zu denen Arztpraxen wie vertragsärztliche Labore gehören, einen Teil der sehr hohen festen Kosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten ab“, erklärte Professor Jan Kramer.

Dr. Michael Müller bekräftigte: „Den fachärztlichen Laboren ist sehr daran gelegen, überhaupt einmal eine verbindliche und konkrete Regelung zu kennen und umgesetzt zu wissen. Wir als Fachärzte im Labor stehen für eine gesicherte Versorgung ein und haben das seit Beginn der Pandemie durchgängig bewiesen. Dieses Maß an Sicherheit fordern wir von der Politik nun auch für uns.“ (pr/sua)

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