Neuer Klang für alte Lieder – Diese Musik wurde seit 2.500 Jahren nicht mehr gespielt

Epoch Times8. August 2018 Aktualisiert: 7. August 2018 11:50
Dass Musik im antiken Alltag bereits eine große Rolle spielte, wissen die Forscher aufgrund der zahlreichen Vasenmalereien und den wenigen erhaltenen Musikstücken auf Papyrus oder Stein. Jetzt hat ein Team der University of Oxford ihr einen neuen Klang verliehen.

1932 berichtete der Musikwissenschaftler Wilfried Perrett einem Publikum der Royal Musical Association in London die Worte eines Professors für Griechisch mit Liebe zur Musik: „Niemand hat sich je mit altgriechischer Musik beschäftigt, und niemand wird es je tun. Das ist das verrückte daran.“ Tatsächlich hat die altgriechische Musik schon lange Rätsel aufgeworfen.

Musik war bereits in der Antike präsent

Dass Musik im klassischen Griechenland allgegenwärtig war, zeigen uns die Malereien auf Keramikgefäßen und wenige erhaltene Schriftstücke. Die „Lieder“ von Homer, Sappho und anderen waren jedoch meist Gedichte, die gesungen, und manchmal von Tanz begleitet, wurden.

Die literarischen Texte liefern reichliche und sehr spezifische Details über die verwendeten Töne, die Tonleitern, Tonfolgen und Instrumente. Die Leier war neben dem Aulos eine der beliebtesten und häufigsten verwendeten Instrumente in der Antike. Aulos sind zwei Doppelrohrblatt-Pfeifen, die gleichzeitig von einem einzigen Interpreten gespielt wurden und wie heutige Oboen klangen.


Die Vasenmalerei zeigt einen jungen Mann, der eine Aulos spielt.

Die altgriechische Musik galt für viele lange als verlorene Kunst

Trotz dieser Fülle an Informationen hat sich der Sinn und Klang der altgriechischen Musik als unglaublich schwer fassbar erwiesen. Das liegt daran, dass die alte Schreibweise sehr kompliziert und ungewohnt ist, sagt Armand D’Angour von der University of Oxford.

Und obwohl niedergeschriebene Musik existiert und zuverlässig interpretiert werden kann, ist sie selten vollständig erhalten. Was die Forscher rekonstruierten klang in der Praxis daher oft recht merkwürdig und unattraktiv.

Ein Projekt zur Erforschung der altgriechischen Musik, an dem D’Angour seit 2013 arbeitet, hat nun jedoch atemberaubende Einblicke in die Musik der alten Griechen ermöglicht.


Zwei Männer mit ihrer Leier und dem „Musiklehrer“.

Rekonstruktion antiker Instrumente

Um den Klang antiker Musik wiederbeleben zu können haben erfahrene Techniker wie Robin Howell und die Forscher des European Music Archaeology Project einige sehr gut erhaltene Auloi rekonstruiert. Hochqualifizierte Dudelsackspieler wie Barnaby Brown und Callum Armstrong durften dabei die antiken Instrumente spielen.

Im Zentrum jedes antiken Liedes stand sein Rhythmus, der sich aus dem Versmaß der Poesie (Metrum) ableiten lässt. Diese basierten strikt auf der Länge der Silben (kurz oder lang) aus denen die Wörter bestehen.


Die Frau hält eine Leier.

Während es für alte Lieder keine Tempoangaben gibt, ist oft klar, ob ein Metrum schnell oder langsam gesungen werden sollte. Ein angemessenes Tempo ist unerlässlich, wenn die Musik richtig klingen soll.

Ein paar fragmentarische Partituren mit alter Musiknotation kamen in Florenz erstmals im späten 16. Jahrhundert ans Tageslicht. Heute existieren etwa 60 Fragmente auf Papyrus und Stein. Sorgfältig zusammengestellt, transkribiert und interpretiert von Wissenschaftlern wie Martin West und Egert Pöhlmann, geben sie uns eine bessere Chance, den Klang der Musik zu verstehen.


Euripides verfasste 408 v. Chr. das Stück „Orestes“.

Altgriechische Musik gespielt

Das früheste und wohl bedeutendste Musikdokument wurde 1892 gefunden. Auf ihm steht ein Teil des Chores aus dem Athener Tragödienorchester „Orestes“ geschrieben. Der griechische Dramatiker Euripides verfasste das Stück 408 vor Christus. Doch lange Zeit gab es Probleme bei der Interpretation, vor allem wegen der Verwendung von Vierteltonintervallen.


„Orestes“ gespielt und gesungen von Mitgliedern der University of Oxford.

2016 rekonstruierte dann Armand D’Angour die Musik des Orestes-Papyrus (Video oben). Dieser Orestes-Chor wurde schließlich im Juli 2017 von einem Chor und Aulos-Spieler im Ashmolean Museum, Oxford, zusammen mit anderen rekonstruierten alten Partituren aufgeführt.

Zudem plant D’Angour ein weiteres Dutzend alter Partituren zu rekonstruieren und zu vertonen, von denen viele sehr fragmentarisch sind. Er hofft in einem alten Theater wie dem des Epidaurus ein komplettes altes Drama mit original historischer Musik zu inszenieren.

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